Hartmut Rauen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des VDMA: Automotive Package ist eine vertane Chance

Die Europäische Kommission hat ein Maßnahmenpaket für den Automobilsektor vorgeschlagen und damit die Diskussion über das schrittweise Aus für Verbrennungsmotoren erneut eröffnet. Hartmut Rauen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des VDMA, kommentiert die bisher angekündigten Pläne im Rahmen des Automotive Package.

„Grundsätzlich begrüßen wir den Schritt in Richtung technologischer Offenheit. Die Vorschläge der Europäischen Kommission sind jedoch zu kleinteilig ausgearbeitet, als dass man die konkreten Auswirkungen abschätzen könnte. Wenn sich die EU in diesem ohnehin schon sehr angespannten wirtschaftlichen Umfeld davor drückt, klare gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen und stattdessen ins Mikromanagement abgleitet, dann ist es offensichtlich, dass das Gerede vom Bürokratieabbau nur auf dem Papier bleibt.“

„Die Kopplung der CO₂-Flottenziele mit europäischem grünen Stahl oder erneuerbaren Kraftstoffen klingt in der Theorie gut. Das könnte der Stahl- und Kraftstoffindustrie helfen, den notwendigen Markt anzukurbeln. Aber auch hier gilt: Weniger ist mehr. Anstatt den Herstellern echte Flexibilität zu geben, kommt die Kommission wieder mit extrem detaillierten Anforderungen. Zudem ist bisher unklar, welchen praktischen Sinn und welche reale Wirkung die festgelegten Obergrenzen – 7 Prozentpunkte für grünen Stahl und 3 Prozentpunkte für erneuerbare Kraftstoffe – haben werden.“

„Wir lehnen den Verordnungsvorschlag ‚Clean Corporate Vehicles Regulation‘ ab, da er die ohnehin schon unzureichende Technologieoffenheit der geplanten CO₂-Flottenregulierung weiter schwächt. Eine solche Verordnung würde eine Vielzahl von Unternehmen treffen, darunter Firmen im Maschinenbau und im Bereich der Herstellung und des Betriebs von Industrieanlagen (Plant Engineering), sie würde für zusätzliche Bürokratie sorgen und auf internationaler Ebene zu Wettbewerbsnachteilen führen. Die Kommission täte aus unserer Sicht besser daran, auf ihre eigenen Marktinstrumente zu vertrauen, insbesondere auf das Emissionshandelssystem ETS.“

„Den klarsten Marktrahmen und zugleich den stärksten Transformationsdruck im Verkehr wird das geplante Emissionshandelssystem ETS 2 bringen. Die jüngste Entscheidung, dessen Einführung um ein Jahr zu verschieben, sowie kritische Stimmen der Mitgliedstaaten wecken jedoch Zweifel daran, ob sich dessen Preis nachhaltig entwickeln wird und ob es den erwarteten Effekt haben wird. Kommission, Rat und Parlament sollten daher dringend eine klare Position einnehmen, damit sich Investitionsentscheidungen im Bereich der klimafreundlichen Mobilität auf stabilere und vorhersehbarere Bedingungen stützen können.“

Autor: VDMA
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