Polymerpreise dürften im November steigen, das Angebot verknappt sich zum Jahresende
Schwache Nachfrage geht mit Produktionsdrosselungen einher
Die Nachfrage war in der vergangenen Woche schwach. Kunststoffverarbeiter bereiten sich bereits auf das Jahresende vor und kaufen nur die unbedingt benötigten Mengen. Die meisten verfügen auch für den Zeitraum bis zum Jahresende über ausreichende Bestände.
Einige europäische Polymerhersteller haben inzwischen ihre Produktion wegen höherer Energie- und Rohstoffpreise gedrosselt. Eine ähnliche Entwicklung ist im Fernen Osten zu beobachten, während in Nordamerika Produktionsstörungen und ungeplante Stillstände das Angebot verringern.
Es wird ein deutlicher Anstieg der europäischen Monomerpreise erwartet, der sich einem dreistelligen Eurobetrag nähern könnte. Vorläufige Informationen deuten darauf hin, dass die Polymerhersteller mindestens den gesamten Anstieg der Monomerpreise auf ihre Preise umlegen wollen, um die steigenden Energiekosten auszugleichen.
Das Angebot verknappt sich in Europa und auf den Importmärkten
Der Preisanstieg wird durch die schrittweise Verknappung des Angebots aller Polymerarten in Mittel- und Westeuropa gestützt. Ursachen sind laufende Wartung (Instandhaltung), Stillstände aufgrund fehlender Rohstoffe sowie Produktionsdrosselungen und -einstellungen infolge hoher Energiepreise.
Die europäischen Gaspreise haben die psychologische Schwelle von 100 € überschritten, und ein deutlicher Rückgang ist bislang nicht in Sicht. Die Auswirkungen der steigenden Energiekosten werden voraussichtlich während der gesamten Wintersaison anhalten. Es wird erwartet, dass weitere Polymerhersteller Stillstände einer Produktion mit erheblichen Verlusten vorziehen werden.
Verschärft wird die Situation durch geringere Importmengen als üblich aus dem Fernen Osten, Zentralasien und Nordamerika. Die Kombination aus hohen Rohstoff- und Energiepreisen im Fernen Osten und einer relativ schwachen Nachfrage hat zur Stilllegung Dutzender chinesischer Polymerwerke geführt.
Die Preise im Fernen Osten, in China und in der Türkei sind daher hoch, in einigen Fällen sogar höher als in Europa. Lieferungen gehen deshalb auf andere Märkte. Das Angebot aller Polymerarten dürfte im November, Dezember und sogar im Januar knapper als üblich sein.
Warum kaufen die Verarbeiter nicht auf Vorrat?
Die Auswirkungen des knappen Angebots sind bislang nicht ausgeprägt. Die europäischen Kunststoffverarbeiter und ihre Kunden bereiten sich auf das Jahresende vor, und die Bestellungen von Fertigprodukten und Verpackungen gehen zurück. Daher ist auch die Nachfrage nach Polymeren nicht stark.
Obwohl die Verarbeiter das Risiko eines Polymermangels erkennen, kaufen nur wenige vorausschauend ein. Die meisten haben während der Panikkäufe im April ihre finanziellen Reserven erheblich aufgebraucht und verfügen nun über wenig freie Mittel für den Lageraufbau.
Eine Rolle spielt auch die Erfahrung aus dem Frühjahr, als die Kaufpanik ebenso schnell nachließ, wie sie entstanden war. Die Verarbeiter erwarten auch jetzt einen ähnlichen Verlauf. Die aktuelle Situation ist jedoch anders: Die Preise für Polyolefine steigen ununterbrochen seit acht Wochen und die Preise für Polystyrol (PS) und PVC seit vier Wochen.
Welche Preiserhöhungen könnte der November bringen?
Der Kostendruck bei Rohstoffen und Energie wird im November weitere Preisanstiege begünstigen. Bei Polyethylen (PE) und Polystyrol (PS) ist gegenüber dem Niveau von Anfang Oktober auch eine Erhöhung im dreistelligen Eurobereich möglich. Die PVC-Hersteller werden ebenfalls versuchen, deutliche Preiserhöhungen von bis zu 100 € durchzusetzen.
Die Situation erinnert an das letzte Quartal 2020. Damals setzte sich der im Oktober und November begonnene Preisanstieg aufgrund des knappen Angebots bis in das erste Quartal des Folgejahres fort.
Das wahrscheinlichste Szenario für November und Dezember
Als am wahrscheinlichsten gilt nun ein Szenario, das noch in der vergangenen Woche als weniger wahrscheinlich eingestuft wurde. Die Preiserhöhung bei Polymeren im November, die den Anpassungen der Monomerpreise zu Monatsbeginn entspricht, wird bei mäßiger Nachfrage akzeptiert werden.
Die Verarbeiter werden einkaufen und aus Sorge vor einer eingeschränkten Verfügbarkeit ihre Polymerbestände nicht abbauen. Anfang Dezember werden die Preise bei schwacher Nachfrage und knappem Angebot auf dem Novemberniveau bleiben oder noch leicht steigen.
In der zweiten Dezemberhälfte werden einige Sondergeschäfte zwischen Polymerherstellern und Verarbeitern mit großen Abnahmemengen zustande kommen. Die Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios liegt derzeit je nach Polymerart bei 50 – 55 %.
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