CEE Automotive Supply Chain 2025: Transformation ohne Sicherheiten. Wie kann Europa im globalen Wettbewerb bestehen?

CEE Automotive Supply Chain 2025: Transformation ohne Sicherheiten. Wie kann Europa im globalen Wettbewerb bestehen?
Wie lässt sich Mittel- und Osteuropa in Zeiten von Energieunsicherheit, regulatorischem Druck und geopolitischen Veränderungen als Wirtschaftsstandort attraktiv halten? Was benötigen Zulieferbetriebe, um sich insbesondere gegen die Konkurrenz chinesischer Hersteller zu behaupten? Diese und weitere Fragen erörterten die Teilnehmer der achten CEE Automotive Supply Chain Konferenz. Die Veranstaltung wurde vom tschechischen Verband der Automobilindustrie (Sdružení automobilového průmyslu ČR) in Zusammenarbeit mit dem slowakischen Verband der Automobilindustrie (Zväz automobilového priemyslu SR) organisiert.

In Olmütz fand am 4.–5. November 2025 die achte Ausgabe der Konferenz CEE Automotive Supply Chain statt, dem größten Treffen der Automobilzulieferer in Tschechien und der Slowakei. Die Veranstaltung zog mehr als 350 Teilnehmer aus Unternehmen, Fachverbänden sowie europäischen Institutionen an, die gemeinsam über aktuelle Herausforderungen und neue Chancen in Zeiten geopolitischer Veränderungen und steigender regulatorischer Anforderungen, insbesondere im Bereich der Elektromobilität, diskutierten.

Wo die Hindernisse liegen

Das Eröffnungspanel zur wirtschaftlichen und geopolitischen Lage brachte eine klare Erkenntnis: Europa verliert an Boden. Martin Jahn, Vorstandsmitglied von Škoda Auto und Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, wies im ersten Block darauf hin, dass steigende Energiekosten, komplexe Regulierungen und der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften zu entscheidenden Entwicklungshindernissen werden. Neben der Lösung dieser Probleme sollte sich die Tschechische Republik stärker auf die technische Ausbildung und die Förderung der angewandten Forschung konzentrieren.

Jahns slowakischer Amtskollege Alexander Matušek, Präsident des Zväz automobilového priemyslu SR, erklärte, dass die Situation in der Slowakei ähnlich sei, wo Unternehmen nicht nur unter hohen Energiekosten litten, sondern auch unter der Abwanderung technisch gebildeter junger Menschen ins Ausland.

Jahn, Matušek, Vondra und Tůma über die europäische Wettbewerbsfähigkeit
Jahn, Matušek, Vondra und Tůma über europäische Wettbewerbsfähigkeit, teure Energie sowie die Notwendigkeit größerer Flexibilität und Zusammenarbeit in Mitteleuropa.

Beide waren sich einig über die Notwendigkeit flexiblerer Arbeitsgesetze, der Innovationsförderung und einer effizienteren Nutzung europäischer Fördermittel. Auch eine breitere Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern sowie innerhalb der V4 wäre vorteilhaft.

Auf die Notwendigkeit, die Industriepolitik zu überdenken, wies Zdeněk Tůma hin, Aufsichtsratsvorsitzender der ČSOB und ehemaliger Gouverneur der Tschechischen Nationalbank. Seiner Ansicht nach hat Europa ein strukturelles Problem, das mit der Demografie sowie der übermäßigen Abhängigkeit von der deutschen Wirtschaft zusammenhängt. Dennoch bleibe der mitteleuropäische Raum ein „stabiler Pfeiler“, der sich trotz Krisen immer wieder habe anpassen können.

Europäische Politik unter Druck

Den politischen Aspekt brachte der Europaabgeordnete Alexandr Vondra in die Debatte ein, der die Europäische Kommission für ihre „Hybris“ kritisierte. Er betonte, dass Europa nicht glauben dürfe, der Welt das Tempo der grünen Transformation diktieren zu können. Man sollte realistischer handeln und die Überregulierung beenden, die das Geschäft auf dem alten Kontinent schwäche.

Martin Jahn erinnerte an den „Draghi-Bericht“, der sich mit der Schwächung der europäischen Wirtschaft gegenüber den USA und China befasst und eine Reihe von Maßnahmen zur Förderung von Innovationen, strategischen Investitionen und einer besser koordinierten EU-Industriepolitik vorschlägt, damit Europa den neuen globalen Herausforderungen begegnen kann. Zudem forderte er eine Überprüfung der Maßnahmen, die die Geschäftstätigkeit erschweren.

Alexandr Vondra erwähnte zudem den dringenden Bedarf, für europäische Unternehmen im Automobilsektor einen der grundlegenden Rohstoffe für die Fertigung zu sichern, nämlich Seltene Erden. Statt sich auf China zu verlassen, müsse man Quellen in Afrika oder Lateinamerika erschließen. Dies sei jedoch in erster Linie eine politische Frage.

Martin Jahn fügte hinzu, dass es ebenso notwendig sei, dass Europa die Herstellung von Batteriezellen für Elektrofahrzeuge selbst sicherstelle. Das Problem sei jedoch, dass eine solche Fertigung in Europa bei den aktuellen Energiekosten nicht profitabel sein könne. Eine der ersten Aufgaben der neuen Regierung sei daher eine rasche Reaktion im Energiebereich – insbesondere, weil unser nächster Nachbar, Deutschland, plane, Energie massiv zu subventionieren.

China als Herausforderung und Chance

Ein weiterer Teil der Konferenz konzentrierte sich auf die zukünftige Entwicklung der Automobilindustrie im Zusammenhang mit der Notwendigkeit, die CO2-Emissionsziele aus Sicht der Fahrzeughersteller des Automobilsektors zu überarbeiten.

Robert Kiml, Präsident von Toyota Motor Manufacturing Czech Republic und Vizepräsident des tschechischen Verbandes der Automobilindustrie, betonte die Bedeutung der Technologieoffenheit – seiner Ansicht nach sollte Europa verschiedene Wege zur Dekarbonisierung unterstützen, anstatt eine Lösung zu erzwingen. Neben Batterien sollte auch der Wasserstoff-Verbrennungsmotor eine Chance erhalten. Jeder Kunde müsse die Möglichkeit haben, den Antrieb zu wählen, der ihm passt.

Robert Kiml von Toyota Motor Manufacturing ČR
Robert Kiml von Toyota Motor Manufacturing ČR betont die Notwendigkeit technologischer Neutralität – Europa sollte verschiedene Wege zur Dekarbonisierung unterstützen, dem Wasserstoff-Verbrennungsmotor Raum geben und den Kunden die Wahl des Antriebs überlassen.

Eine ähnliche Ansicht vertritt David Kříž, Generaldirektor von Iveco Czech Republic. Er wies darauf hin, dass eine einheitliche Regulierung nicht für alle Segmente gleichermaßen gelten könne – während die Elektrifizierung von Stadtbussen sinnvoll sei, setze sie sich bei Reisebussen und im Lkw-Verkehr wirtschaftlich und technisch noch nicht durch. Iveco verfolge nicht nur eine Richtung; das Angebot umfasse alle Antriebsarten.

Robert Kiml und David Kříž waren sich auch einig, dass Subventionen, mit denen einige Länder den Verkauf von Elektroautos fördern, zwar funktionieren, jedoch keiner der Redner befürwortet deren Einführung in Tschechien. Jede Subvention sei ihrer Meinung nach eine Marktverzerrung, die sich an anderer Stelle negativ auswirke.

Veränderungen in der globalen Lieferkette

Die aktuelle Unsicherheit wirkt sich noch stärker auf die Zulieferer der Automobilindustrie aus als auf die Fahrzeughersteller. Laut Petr Novák von JTEKT Central Europe, Vizepräsident und Vorsitzender der Abteilung für Zulieferer und Zweckorganisationen von AutoSAP, befinden sich die Zulieferer „in der Zange“ zwischen dem Druck der OEMs und steigenden Kosten. Langfristige Verträge schränkten den Spielraum ein, während chinesische Unternehmen auf extreme Preissenkungen drängten und neue, oft inakzeptable Bedingungen stellten.

Lukáš Rosůlek, Chef von Schaeffler Tschechien und Vorstandsmitglied des Verbandes der Automobilindustrie, sowie Martin Keresteši, Werkleiter von Yanfeng Automotive Interiors in Námestovo, waren sich einig, dass der Preisdruck derzeit enorm sei, Qualität und Zuverlässigkeit jedoch nicht geopfert werden dürften.

Wenn europäische Unternehmen im Wettbewerb bestehen wollen, sind sie laut Rosůlek und Keresteši gezwungen, neue Ansätze, neue Materialien und neue Produktionsverfahren zu suchen. Lösungen seien jedoch nicht schnell gefunden. Bevor ein Ersatz für einige chinesische Zulieferer gefunden werden könne, müsse man mit den bestehenden Partnern einen gemeinsamen Nenner und ein kooperatives Modell finden.

Obwohl die Zulieferfirmen unter den gleichen Problemen leiden, wählen sie unterschiedliche Strategien. Während Yanfeng mit Investitionen derzeit abwartet, tätigt Schaeffler hingegen große Investitionen – zuletzt etwa in Ostrava-Hrušov. JTEKT habe laut Petr Novák die Investitionen zwar nicht gestoppt, verlagere sie aber weg von Europa.

Über die Auswirkungen softwaredefinierter Fahrzeuge (SDV) auf die Lieferkette sprach auf der Konferenz Jan Vlasák von der Firma Digiteq Automotive, die innovative Funktionen für moderne Automobile entwirft, entwickelt und testet.

Vlasák betonte die Transformationskraft von SDV, die die Lieferkette grundlegend verändert, indem sie den Schwerpunkt von Hardware auf Software verschiebt. Traditionelle Tier-1-Zulieferer, die sich früher auf mechanische und elektronische Komponenten konzentrierten, seien gezwungen, sich anzupassen. Und da Software zum Schlüsselfaktor für Innovation und Entwicklung werde, transformieren sich diese Zulieferer zu strategischen Softwarepartnern – statt physischer Teile bieten sie heute Plattformen, Middleware und Cloud-Dienste an.

Chancen der Automobilindustrie in der Verteidigungsindustrie

Eine interessante Dimension brachte die separate Sektion über die Verbindung von Automobil- und Verteidigungssektor ein, die von Kristýna Helm, Vizepräsidentin und stellvertretende Geschäftsführerin des Verbandes der Verteidigungs- und Sicherheitsindustrie der Tschechischen Republik, geleitet wurde. Die Vertreterin des Verbandes erklärte einleitend, dass die tschechische Verteidigungsindustrie im Hinblick auf Exporte außerordentlich stark sei – mehr als 90 Prozent der Produktion gingen ins Ausland, wobei die Nachfrage nach Boden- und Luftfahrtsystemen weiter steige.

Sie betonte, dass der Verteidigungssektor zwar perspektivisch, aber schwer zugänglich sei – Aufträge würden von Staaten vergeben, die Prozesse seien langwierig und stark reguliert. Der Erfolg hänge vom konkreten Produkt und der Glaubwürdigkeit des Partners ab, nicht von Interessenbekundungen für eine Zusammenarbeit. Unternehmen, die Erfolg hätten und zu Lieferanten für Armeen würden, gebe es nur wenige. Es komme auch vor, dass nicht das beste Angebot gewinne, da im Verteidigungssektor auch andere als wirtschaftliche Kriterien entscheiden.

Kristýna Helm vom Verband der Verteidigungs- und Sicherheitsindustrie der Tschechischen Republik
Kristýna Helm vom Verband der Verteidigungs- und Sicherheitsindustrie der Tschechischen Republik erläuterte das wachsende Potenzial der Verbindung von Automobil- und Verteidigungssektor. Sie betonte die Stärke der tschechischen Exporte und die Schwierigkeit der Wege, die zum Erfolg bei Verteidigungsaufträgen führen.

Pavel Hortlík, Betriebsleiter von Excalibur Army Přelouč, erklärte, dass Unternehmen aus der Automobilbranche viel zu bieten hätten – ihre Erfahrung mit effizienter Fertigung, Logistik und Qualität könne auch für Armee-Projekte wertvoll sein. Laut dem ehemaligen Generaldirektor der Unternehmen STV GROUP und Matador Holding, Martin Kele, dauere der Weg zum Erfolg in der Verteidigungsbranche jedoch Jahre und erfordere nicht nur Ausdauer, sondern auch die Fähigkeit, sich an eine andere Kultur bei Auftragsvergaben und Entscheidungsfindungen anzupassen.

Welcher Weg führt nach vorn?

Der Abschluss der Konferenz gehörte Miroslav Kroupa von Škoda Auto, der alle Veränderungen in der globalen Automobilindustrie und den Lieferketten zusammenfasste und sie in den Kontext der erwarteten Auswirkungen auf die europäische Automobilindustrie stellte.

In jedem Fall ist klar, dass der Automobilsektor in den kommenden Jahren mit vielen Herausforderungen zu kämpfen haben wird und nicht alle diesen Prozess ohne Verluste bewältigen werden.

Ein Weg, den ungünstigen Trends entgegenzuwirken, besteht auch in der Suche nach neuen Partnerschaften. Dem kam der zweite Tag der Konferenz in Olmütz entgegen, der B2B-Treffen gewidmet war. Wie in den vergangenen Jahren gab es ein großes Interesse daran.

Die nächste Ausgabe der Konferenz CEE Automotive Supply Chain findet im Herbst 2026 in Sillein (Žilina) statt.

CEE Automotive Supply Chain 2025 - B2B Meetings
Auf der CEE Automotive Supply Chain 2025 fanden insgesamt 507 organisierte B2B-Meetings statt.

Fotogalerie

Autor: Ing. Tomáš Jungwirth, autosap.cz
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