Ing. Pavel Polomský (Piovan Group) über Automatisierung und Energieeffizienz für die moderne Kunststoffindustrie

Ing. Pavel Polomský (Piovan Group) über Automatisierung und Energieeffizienz für die moderne Kunststoffindustrie
Die Zukunft der Kunststoffindustrie basiert auf Innovation, Digitalisierung und effizienter Energienutzung. Wie Piovan an diese Transformation herangeht, erläutert Geschäftsführer Ing. Pavel Polomský in einem exklusiven Interview für PlasticPortal®.

Über die Piovan Group und den Markt

1. Wodurch unterscheidet sich die Piovan Group Ihrer Meinung nach vom Wettbewerb – sei es in Technologie, Ansatz oder Service?
Die Piovan Group unterscheidet sich vom Wettbewerb durch ihre Präsenz auf den lokalen Märkten, wo sie auch eigene Produktionswerke unterhält. Diese befinden sich nicht nur in Europa, sondern auch in den USA, Brasilien, China und Indien. Wir sind einfach nah an unseren Kunden dort, wo sie produzieren. Gerade in der aktuellen Situation verschiedener weltweiter Importzölle ist unsere Präsenz in der jeweiligen Region ein großer Vorteil für unsere Kunden, sowohl bei den Preisen als auch bei der Schnelligkeit und Qualität der Dienstleistungen. Die Bedürfnisse der Kunden sind für uns die Inspiration dafür, wie wir bestehende Produkte innovieren können und welche neuen Technologien es zu entwickeln gilt.

2. Wie hat sich Ihrer Meinung nach die Kunststoffindustrie in Mitteleuropa in den letzten Jahren verändert? Und welche Rolle spielt dabei die Piovan Group?
Was die eingesetzte Technologie betrifft, so konzentrieren sich die Kunden in unserer Branche deutlich stärker auf die Automatisierung der Produktion, um manuelle Tätigkeiten zu reduzieren; zudem werden Systeme mit Monitoring und Datenspeicherung zur Verbesserung der Produktionsprozesse und zur Steuerung der Fertigungsqualität eingesetzt. Deutlich gestiegen sind auch die Anforderungen an die Produktion aufgrund einer breiten Palette neuer Materialien mit verbesserten Gebrauchseigenschaften, die oft eine anspruchsvollere Polymeraufbereitung erfordern, also den Einsatz neuer Maschinentypen und Automatisierungselemente. Grundlegend verändern sich die Produktionsprozesse zudem durch den deutlich höheren Anteil an eingesetzten recycelten Materialien aufgrund der Trends der Kreislaufwirtschaft.

Pavel Polomsky, CEO Piovan Central Europe Niederlassung Piovan in Brünn

Ing. Pavel Polomský

 Piovan-Büro in Brünn

Piovan hat die Trends in der Energieeinsparung und Kreislaufwirtschaft bereits vor vielen Jahren von Anfang an aufgegriffen, und derzeit haben wir viele innovative Geräte mit patentierter Technologie auf dem Markt. Selbstverständlich werden alle unsere Standardtechnologien kontinuierlich mit dem Ziel der Senkung des spezifischen Energieverbrauchs weiterentwickelt.

Technologien und Innovationen

3. Wie gelingt es Ihnen, Technologie mit Nachhaltigkeit zu verbinden?
Ich sehe es so, dass der Einzug der „Nachhaltigkeit“ bei uns der Impuls für die Entwicklung neuer innovativer Technologien war. In unserem Portfolio sind dies die EasyPure-Technologien zur Geruchsbeseitigung von Kunststoffmaterial, die Aktivkohlefiltration Puretech, die CDF-Kondensationseinheit zum Auffangen von Verunreinigungen im Recyclingmaterial, Inspecta zur Messung des Acetaldehyd- und Benzolgehalts in Lebensmittelverpackungsmaterialien oder Moisture Minder zur Messung der Restfeuchte des Granulats.

4. Wie sieht der Einsatz von Industrie 4.0 in der Praxis bei Ihren Lösungen aus? Bringt das den Kunden messbare Ergebnisse?
Wir verfügen über die Software WinFactory 4.0, ein Tool, das von seinem Vorgänger abgeleitet ist, der bereits 2008 auf den Markt kam. Die aktuellen Versionen 4.0 mit OPC-UA werden bei hunderten unserer Kunden weltweit eingesetzt. Die Software überwacht die Funktionen der angeschlossenen Geräte und speichert diese Daten in ihrer Datenbank zur Identifizierung von nicht standardmäßigen Ereignissen und zum Nachweis des Produktionsverlaufs. Angeschlossen werden können nicht nur Piovan-Maschinen, sondern auch Maschinen anderer OEM-Hersteller. Mit Winfactory 4.0 können wir Materialflüsse real verfolgen, Fernsupport leisten und die Produktion optimieren. Bestandteil kann auch eine Energielizenz zur Überwachung des Energieverbrauchs jeglicher Maschinenausrüstung sein. Einfach gesagt: Wenn Sie etwas steuern wollen, müssen Sie Daten zur Verfügung haben, und genau das bietet Ihnen dieses Tool.

Recycling und neue Herausforderungen

5. Sind Sie mit der Nachfrage nach Lösungen für recycelte oder biologisch abbaubare Kunststoffe konfrontiert? Wie reagiert die Piovan Group darauf?
Wie ich bereits erwähnte, haben wir für den Bereich Recycling viele innovative Maschinen und Lösungen entwickelt. Wir müssen sicherlich zwei Bereiche unterscheiden. Der erste Bereich sind die eigentlichen Recyclinganlagen zur Verarbeitung von Sekundärabfällen. Die zweite Lösungssparte betrifft den Einsatz von Recyclingmaterial in Produktionswerken. Für beide Bereiche verfügen wir über ausreichend Erfahrung und entsprechende Lösungen. Der erste Bereich, also fortschrittliche Recyclinganlagen, besteht oft aus komplexen Anlagen, die sich aus vielen implementierten Technologien zusammensetzen. Am weitesten fortgeschritten sind diese Technologien im Bereich der Verarbeitung von PET-Material. Im Bereich der Implementierung des Einsatzes von Recyclingmaterialien in Produktionswerken erwarten wir in den kommenden Jahren deutlichere Anforderungen seitens der Kunden.

6. Nehmen Sie wahr, dass Nachhaltigkeit in der Region mehr als nur eine Marketingphrase ist – dass sich die Produktionsweise wirklich ändert?
Eindeutig können wir bereits beobachten, dass einige Hersteller angefangen haben, ihren Marktzugang auf Nachhaltigkeit aufzubauen, indem sie präsentieren, zu wie viel Prozent ihr neues Produkt aus Recyclingmaterial besteht. Pioniere in der Branche waren Hersteller von Lebensmittelverpackungen und Hersteller verschiedener Haushaltsgeräte. Nach und nach kamen weitere Branchen hinzu, einschließlich der Automobilherstellung.

Alles dreht sich darum, die Denkweise zu ändern und richtig zu bewerten, was nachhaltige Produktion ist und was ökologisch. Natürlich ist es möglich, dass ökologische Ansätze derzeit für Hersteller wie für Verbraucher etwas kostspieliger sein können. Aber das ist eben eine Frage der Denkweise und der individuellen Verantwortung.

Zukunft und die menschliche Dimension

7. Was sind Ihre wichtigsten Prioritäten für die nächsten Jahre?
Es ist die Steigerung des erreichten Umsatzes im Bereich der industriellen Kühltechnik in der Region Mitteleuropa und dann der Einstieg in das Segment der Lebensmittelindustrie, wo die Piovan Group bereits seit einigen Jahren insbesondere auf den westeuropäischen Märkten tätig ist. Hier sind unsere potenziellen Kunden größere Schokoladenfabriken und Kekshersteller.

8. Was macht Ihnen persönlich an dieser Arbeit am meisten Spaß? Und was gibt Ihnen auch nach Jahren in der Branche Energie?
Es macht mir Spaß, mit Menschen zu verhandeln, mit Kunden, Untergebenen, Kollegen, Vorgesetzten, Lieferanten. Es macht mir Spaß, Lösungen zu finden, bei denen idealerweise beide Seiten zufrieden sind. Ich muss gute und hervorragende Ergebnisse erzielen, und das galt während meiner gesamten beruflichen Laufbahn. Ein gutes Ergebnis ist das, was Ihr Vorgesetzter erwartet. Wenn es mir gelingt, positive Ergebnisse zu erzielen und Situationen erfolgreich zu lösen, ist das die beste Energiequelle. Ich denke, das gilt nicht nur für die Arbeit. Und dass ich in der Branche und auch langfristig in einem Unternehmen bleibe, liegt an einer angemessenen Menge an Herausforderungen im Laufe der Zeit, damit es immer etwas zu lösen und weiterzuentwickeln gibt.

Bonus zum Schluss

1. Ihre Lieblingstechnologie aus dem Portfolio von Piovan?
Kühltechnologie. Aus meiner Sicht handelt es sich um eine Problematik, die sich aus mehreren Fachgebieten zusammensetzt, wodurch die Komplexität der einzelnen Lösungen gegeben ist. Hier ist bei der Beurteilung der einzelnen Situationen mehr Überblick erforderlich.

2. Ein Wort, das einen guten Technologielieferanten beschreibt?
Wenn ich nur ein Wort wählen muss, dann „Zuverlässigkeit“. Damit meine ich nicht nur die Zuverlässigkeit des Produkts selbst oder des Services, sondern vor allem die Zuverlässigkeit der gesamten Lieferantenorganisation. Mit dem Kauf einer Maschine geht der Kunde im Grunde eine Partnerschaft mit dem Lieferanten ein, gerne auch für 20 Jahre, für die Lebensdauer der Maschine. Und während dieser ganzen Zeit muss er mit dem Lieferanten verschiedene Situationen im Zusammenhang mit Betrieb und Service lösen, oft auf der Ebene der technologischen Beratung.

3. Der wichtigste Rat, den Sie einem jungen Ingenieur in der Kunststoffindustrie geben würden?
Sich das zu suchen, was ihm Spaß macht, und sich dort ständig weiterzubilden und zu verbessern. Wenn uns eine Tätigkeit Spaß macht, sind wir bereit, Anstrengungen in die Überwindung von Hindernissen zu investieren, und dann sind wir in der Lage, gute Ergebnisse zu erzielen. Und in etwas gut und nützlich für andere zu sein, ist die Voraussetzung für ein erfolgreiches und zufriedenes Leben.

Piovan Group

Das Interview wurde von PlasticPortal® vorbereitet und exklusiv veröffentlicht. Das Kopieren oder die weitere Verbreitung ohne unsere Zustimmung ist nicht gestattet.

Autor: Redaktion PlasticPortal
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