Wie sind die Aussichten für den Polymermarkt im Jahr 2024?

Wie sind die Aussichten für den Polymermarkt im Jahr 2024?
Wie war das Jahr 2023? Tatsächlich hätte es schlimmer kommen können. Glücklicherweise haben sich die Energiepreise normalisiert, die Inflation begann überall in Europa zu sinken, und auch der wirtschaftliche Abschwung war nicht ausgeprägt. Die Unsicherheit und die Angst vor einer Rezession sind uns jedoch geblieben. Die gesamtwirtschaftliche Lage verbessert sich langsam, auf die sinkende Inflation werden wahrscheinlich Zinssenkungen in der Eurozone und darüber hinaus folgen.

Der Krieg ist uns jedoch geblieben, und inzwischen nicht nur in der Ukraine, sondern auch im Nahen Osten. Das Risiko von Angriffen, die Transportwege beeinträchtigen, und von Störungen der Versorgungswege nimmt zu.

Wenn wir uns jedoch allein auf die europäische Wirtschaft konzentrieren, besteht die größte Herausforderung des Jahres 2024 darin, ob es gelingt, die europäische Industrieproduktion und den Verbrauch wieder auf einen Wachstumspfad zu bringen. Die europäische Polymerproduktion ist grundsätzlich exportorientiert; 2021 haben wir in Europa 57 Millionen Tonnen Polymere hergestellt und nur 50 Millionen Tonnen verbraucht. Die Situation ändert sich jedoch, der Export europäischer Polymere ist aufgrund der relativ hohen Energie- und Rohstoffpreise nahezu unmöglich. Nur zum Vergleich: Die Kosten für die Herstellung von Chemikalien sind in Nordamerika um fast 55 % niedriger als in Europa. Hinzu kommt ein Rückgang um fast 6 %, den die europäische Industrie 2023 verzeichnete.

Auch 2024 erwarten wir ein Überangebot, Verkaufsdruck und vorsichtige Käufer. Die Verarbeiter werden auch 2024 mit geringeren Polymerbeständen als üblich arbeiten. Sie versuchen, ihre Einkaufsflexibilität zu bewahren und gleichzeitig Risiken zu vermeiden. Dies bestätigt auch die Tatsache, dass die Polymerhersteller Ende 2023 weniger Verträge abschließen konnten als geplant. 2024 wird ein Jahr des Spotgeschäfts. Das bedeutet sowohl Volatilität als auch veränderte Einkaufsgewohnheiten der Kunden.

Die Volatilität wird nicht mit derjenigen vergleichbar sein, die wir 2021 erlebt haben; wir erwarten keine sprunghaften monatlichen Preisanstiege um mehrere Hundert Euro. Davon wäre nur im Falle einer Sperrung der Straße von Hormus oder des Suezkanals abzuweichen. In diesem Fall müssten wir mit einem deutlichen Preisanstieg bei Rohöl und anderen "Rohstoffen" rechnen.

Das wahrscheinlichste Szenario, das für alle von uns untersuchten Polymere gilt, ist, dass sich die Preise 2024 in relativ kurzen Preiswellen von 1 bis 3 Monaten Dauer innerhalb einer relativ engen Bandbreite nach der nachstehend beschriebenen Logik verändern werden. Wenn die Preise wie derzeit niedrig sind und die Importe zum Erliegen kommen, drosseln auch viele europäische Hersteller ihre Produktion, und die Verfügbarkeit nimmt ab. Dies gibt den europäischen Herstellern die Möglichkeit, die Preise zu erhöhen. Angesichts der schwachen Nachfrage kann der Preisanstieg jedoch nicht allzu stark ausfallen. Darüber hinaus wird der Preisanstieg unmittelbar dadurch ausgeglichen, dass das höhere Preisniveau sofort die Importe und die europäische Produktion ankurbelt.

Die Dauer der Preisveränderungen hängt weitgehend vom Seetransport und vom Wiederanfahren der europäischen Werke ab. Die erste Preisanstiegswelle wird voraussichtlich von Anfang Februar bis Ende April anhalten. In dieser Zeit wird eine Phase "hoher Preise" erwartet, nach der wir von Mitte Mai bis Mitte August mit anhaltend "niedrigen Preisen" rechnen. Anschließend könnte der Herbst eine Belebung und möglicherweise einen länger anhaltenden Anstieg des Preisniveaus bringen. Bereits Anfang Januar sind Bestrebungen zu Preiserhöhungen erkennbar, und es gab sogar einen mitteleuropäischen Hersteller, der die Preise bereits Ende Dezember erhöht hat. Erfolgreichen Preiserhöhungen im Januar stehen verlängerte Betriebsferien entgegen; die meisten Unternehmen nehmen die Produktion erst in der Woche ab dem 8. Januar auf. Wenn nicht im Januar, so ist im Februar jedoch auf jeden Fall mit einer erfolgreichen Preiserhöhung um 30 bis 50 Euro zu rechnen. Dies könnte die Nachfrage ankurbeln und die Preise bereits in der zweiten Januarhälfte leicht steigen lassen. Die Kaufentscheidungen werden sich 2024 wahrscheinlich auf die Monatsmitte verlagern, wenn die Verarbeiter einen klareren Überblick über die Marktlage und die Preise haben.

Der europäische Markt wird 2024 im "Stop-and-go"-Modus funktionieren. Das bedeutet, dass größere Polymerhersteller an verschiedenen Standorten Wartung (Instandhaltung) einplanen und damit auch ihre Emissionen begrenzen werden. Die Herausforderung ist nicht gering: Damit der europäische Polymermarkt im Gleichgewicht ist, muss die gesamte Polymerproduktion 2024 gegenüber 2021 um fast 20 % sinken. Bislang ist nicht klar, was die Polymerhersteller an den einzelnen Standorten tun können, insbesondere diejenigen, die mit einer Raffinerie integriert sind. Wahrscheinlich werden sie die Produktion mit Ausnahme kleinerer Wartungsarbeiten (Instandhaltungsarbeiten) fortsetzen.

Bei der Versorgung in Mitteleuropa erwarten wir einige grundlegende Veränderungen der Lieferstruktur. Westeuropäische Hersteller werden ihre Präsenz in unserer Region wahrscheinlich ausbauen, da dieser Markt ein größeres Wachstumspotenzial hat. Einige große europäische Hersteller wollen 2024 neue Logistikzentren in Mitteleuropa errichten. Ähnliche Pläne haben jedoch auch große internationale Händler. Dem wachsenden Angebot in Westeuropa wirkt der Anstieg der Fracht- und Straßentransportgebühren in ganz Europa, insbesondere in Deutschland, entgegen.

Angesichts der steigenden Kosten für den Straßentransport schrumpft der geografische Umkreis, der effizient und wirtschaftlich beliefert werden kann, und der Wert lokal hergestellter Polymere steigt. Daher wird – im Gegensatz zu den westeuropäischen Trends – in der Region Süd- und Mitteleuropa (SCE) in den kommenden Jahren ein Ausbau der Kapazitäten für PP und HDPE erwartet.

2024 erwarten wir deutliche Fortschritte beim Recycling. Bereits Ende 2023 war erkennbar, dass die Nachfrage nach hochwertigen und qualitätskonstanten Recyclingmaterialien aufgrund der näher rückenden Fristen 2025 und 2030 gestiegen ist. Große Polymerhersteller versuchen, durch die Übernahme regionaler Recyclingunternehmen in das Recyclinggeschäft einzusteigen. Dieser Trend zur Konzentration der Branche wird sich auch 2024 fortsetzen, während die regionale Verfügbarkeit hochwertiger Abfälle begrenzt bleibt. Auch infolge der hohen Frachtgebühren werden sich die Möglichkeiten zum Einkauf importierter Abfälle weiter verringern. All dies dürfte zu einem spürbaren Preisanstieg führen, zunächst auf dem Markt für recyceltes Polyethylen (PE), dann auch auf dem Markt für Polypropylen (PP) und Polystyrol (PS). Vorerst bleibt die Frage offen, ob der verstärkte Einsatz von Regranulaten die Nachfrage nach Primärpolymeren senken wird. In Mitteleuropa wird keine Ausweitung des Einsatzes von Regranulaten erwartet. Für unabhängige Recycler könnten kleine Polymerhersteller aus Süd- und Mitteleuropa einen Hoffnungsschimmer darstellen, die aufgrund hoher spezifischer Produktionskosten mit Rentabilitätsproblemen kämpfen, aber in Zusammenarbeit mit Recyclern hochwertige Recyclingcompounds oder Spezialpolymere für die Recycler selbst herstellen können.

Mit Blick auf die wirtschaftlichen Entwicklungen erwartet uns eine schwierige erste Jahreshälfte 2024 und eine weniger schwierige zweite Jahreshälfte. Angesichts der erwarteten kontinuierlich sinkenden Inflation und Zinsen wird die Wirtschaft langsam an Kraft gewinnen, und ein Wachstum könnte einsetzen, das jedoch nicht mit den Vorjahren vergleichbar sein wird, da die Energie- und Rohstoffpreise hoch bleiben werden. In der zweiten Jahreshälfte dürfte auch die Bauwirtschaft wieder wachsen. 2024 wird es uns auf europäischer Ebene wahrscheinlich gelingen, eine Rezession zu vermeiden, auf echten Wohlstand werden wir jedoch noch warten müssen. Dieses Jahr wird von einer Art Konsolidierung geprägt sein; viele kleinere Verarbeitungsbetriebe werden sich zu größeren Unternehmen zusammenschließen oder einfach dauerhaft verschwinden.

Angesichts der bevorstehenden Schwierigkeiten erscheint Pessimismus realistischer, aber bleiben wir optimistisch! Mitteleuropa wird die europäische Region mit dem stärksten Wachstum sein, und das wahrscheinlich schon in diesem Jahr.

Autor: László Bűdy, myCEPPI
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