Wenn Daten die Produktion steuern: Vorteile von MES-Systemen nicht nur in der Kunststoffindustrie

Wenn Daten die Produktion steuern: Vorteile von MES-Systemen nicht nur in der Kunststoffindustrie
Produktionsunternehmen stehen heute unter vielfältigem Druck – steigende Kosten, Personalmangel und die Notwendigkeit, Effizienz und Qualität zu steigern. Hinzu kommen ein turbulenter Markt und große Unsicherheit. In einem solchen Umfeld ist es eine Frage des Überlebens, die Produktion vollständig unter Kontrolle zu haben. Und genau das ermöglicht MES – Manufacturing Execution System. Ein Werkzeug, das die Art der Produktionssteuerung grundlegend verändert. Ein Werkzeug, das heute zu Recht als eine der besten Investitionen in die Zukunft eines Produktionsunternehmens gilt.


Daten sind die Grundlage

Das wussten schon unsere Urgroßväter. Wir fragen uns täglich, warum in so vielen Produktionsbetrieben noch immer alles auf Papier erfasst, manuell übertragen und mit einer kaum abschätzbaren Fehlerquote ausgewertet wird. Warum die Produktion selbst an Arbeitsplätzen mit modernster Spitzenausstattung noch auf althergebrachte Weise gesteuert wird. Dabei ist es so einfach, Daten automatisiert von allen Maschinen und Arbeitsplätzen zu erfassen. Es geht nicht darum, dass automatisiert = günstiger bedeutet, sondern darum, dass wir nur so online eine Fülle belastbarer Daten und damit präzise Online-Übersichten erhalten. Das ist noch kein MES, aber ein guter Anfang. Hochwertige Daten für gute Entscheidungen. Die tatsächliche Realität.

Was ist also MES?

Bei Weitem nicht nur Datenerfassung, Arbeitsrückmeldungen, KPI-Berechnungen und die Darstellung einiger Diagramme. Es ist Produktionssteuerung in Echtzeit. Mit einem guten MES als Werkzeug lässt sich auf Basis von Online-Daten einfach eine automatisierte Produktionssteuerung aufbauen. Das ist mit Arbeit verbunden und erfordert die Entschlossenheit, Dinge anders zu machen, zahlt sich aber vielfach aus. Wie lassen sich Stillstandszeiten besser minimieren als beispielsweise dadurch, dass wir noch vor Abschluss des Arbeitsgangs den Einrichter benachrichtigen, damit er sich an der betreffenden Maschine bereitmacht (beispielsweise 10 min. vorher per SMS)? MES ist also nicht nur ein Mittel für die papierlose Produktion (das natürlich auch), sondern ein Werkzeug zur Effizienzsteigerung. Nicht weniger. Nicht mehr? Doch, mehr: MES liefert Daten für nachgelagerte Anwendungen einschließlich KI.

Leistung unter Kontrolle

MES ermöglicht nicht nur die Bewertung der Gesamt-KPI (OEE, SMED usw. ), sondern auch der Leistung einzelner Arbeitsplätze und Bediener. So lassen sich Engpässe in der Produktion sehr einfach aufdecken. Mitarbeiter lassen sich leicht motivieren, beispielsweise durch eine Prämie für das Überschreiten des festgelegten OEE-Werts in einer bestimmten Schicht. Schon die bloße Visualisierung des aktuellen Produktionsstatus in der Halle bringt nachweisbare Vorteile.

PHARIS - MES-System  

Qualität und Audits

Qualität geht vor. Weniger Ausschuss, mehr Geld. MES erfasst sämtliche Produktdaten, einschließlich einer gegebenenfalls eindeutigen Identifikation der einzelnen Teile, integriert Schulungspläne und Prüfpläne, erzeugt Prüfanforderungen und ordnet Messergebnisse direkt der Produktionscharge zu. Es geht nicht nur um eine erhebliche Zeitersparnis bei der Vorbereitung von Kundenaudits.  Es geht darum, dass sich der bereits erwähnte Workflow der Produktionssteuerung mithilfe von MES qualitätsorientiert gestalten lässt, etwa unter Anwendung von Poka-Yoke-Prinzipien. Eine transparente Produktionsdokumentation erhöht die Vertrauenswürdigkeit des Unternehmens und stärkt seine Marktposition. In vielen Fällen trägt sie dazu bei, interessantere und lukrativere Aufträge zu gewinnen.

Produktionsplanung und Feinplanung

Ja, die Produktion lässt sich „manuell“ einplanen. Oder auf Ebene des ERP-Systems. Allerdings immer mit einer gewissen Effizienzgrenze, denn das menschliche Gehirn kann nicht alles bewältigen, und ein ERP verfügt wiederum nicht über so viele Produktionsdaten wie MES. Wenn wir enorme Rechenkapazitäten, ausgefeilte Algorithmen und Daten aus dem MES verbinden, können wir deutlich effizientere Produktionspläne berechnen. Und wir sind nicht vom Gesundheitszustand des für die Planung zuständigen Kollegen abhängig. Wir können umgehend auf Veränderungen in der Produktion reagieren. Wir können die Produktion mit Priorität auf maximale Maschinenauslastung, termingerechte Lieferungen oder andere Ziele einplanen. Wir können die Verfügbarkeit von Maschinen und Werkzeugen, Materialien und Halbfabrikaten, die Qualifikation der Bediener sowie vorausschauende Wartung berücksichtigen, Übergänge zwischen Arbeitsgängen optimieren und viele weitere Anforderungen einbeziehen. Das Ergebnis ist weniger Chaos, Einsparungen bei Kapazitäten und Energie, frühere Lieferungen und eine bessere Maschinennutzung – also wieder Geld.

Menschen und ihre Fähigkeiten

Die Qualität der Bediener verbessert sich, vorsichtig ausgedrückt, nicht. An guten Bedienern mangelt es schlichtweg, und das wird nicht besser werden. Und hier hat plötzlich überraschenderweise auch MES seinen Platz. Wenn wir es den Bedienern erleichtern, ihnen beispielsweise an den Terminals Videoanleitungen für die Arbeitsgänge bereitstellen, für die sie sich anmelden, und für sie einen einfacheren und „idiotensichereren“ Workflow aufbauen, kann das eine Lösung sein. Und wenn das Bedienterminal beispielsweise auch auf Filipino verfügbar ist, eröffnet das der Produktion weitere Möglichkeiten.

PHARIS - MES-System  

Kontinuierliche Verbesserung

Die Einführung von MES ist kein einmaliges Projekt, sondern der Beginn einer systematischen kontinuierlichen Verbesserung. Sicherlich bemühen sich die meisten Produktionsunternehmen um Verbesserungen, und viele vielleicht sogar systematisch. Das Unternehmen erhält jedoch plötzlich Werkzeuge, mit denen es einfach und fortlaufend ungenutzte Potenziale aufdecken, Verschwendung beseitigen und die Effizienz steigern kann. Mit denen es schnell auf Veränderungen und neue Anforderungen reagieren kann. Mit denen es schrittweise weitere Anwendungsszenarien einführen kann, die die Effizienz wieder ein Stück voranbringen. Die Produktion wird dadurch flexibler, widerstandsfähiger und besser auf künftige Herausforderungen vorbereitet.

Papierlose Produktion und schnelle Reaktionen

Das Tempo nimmt ständig zu, und eine schnelle und präzise Kommunikation ist entscheidend. MES ersetzt papierbasierte Laufkarten durch digitale Anweisungen – der Bediener hat am Panel stets den aktuellen Arbeitsablauf, Zeichnungen und weitere Dokumentation zur Verfügung, kann automatisch auf die neuesten Änderungen hingewiesen werden und muss diese bestätigen. Das vereinfacht und beschleunigt die Arbeit des gesamten Teams und minimiert die Fehlerquote.

Fazit

Wenn ich sehe, wie MES unseren Kunden tagtäglich hilft, wie sie sich dank MES auch nach Jahren noch verbessern und wie manche die einzelnen Vorteile beziffern können, möchte ich mir eine Produktion ohne MES eigentlich gar nicht vorstellen. Meiner Meinung nach ist es die beste Investition. Und aus der Perspektive des ersten Viertels des 21. Jahrhunderts eindeutig eine Notwendigkeit, kein visionärer Schritt. Viele haben die Entwicklung verschlafen, können aber noch aufholen. Ich wünsche allen den Willen zur Veränderung – es lohnt sich.

PHARIS auf der MSV 2025 in Brünn
 
Autor: Tomáš Hradský, CEO des Unternehmens PHARIS, s.r.o., Anbieter des modernen tschechischen Systems MES PHARIS
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