Unternehmen und Beschäftigte der tschechischen Automobilindustrie helfen der Ukraine
Rund die Hälfte der inländischen Unternehmen ist dabei geschäftlich unmittelbar von dem Konflikt betroffen, mehr als ein Drittel der Unternehmen spürt bereits einen Mangel an Rohstoffen, Materialien oder Teilen, die für die Produktion benötigt werden, und mehr als ein Fünftel muss logistische Probleme bewältigen, die der Konflikt verursacht hat.
„In erster Linie möchte ich die enorme Welle der Solidarität mit dem ukrainischen Volk würdigen, die seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine in Tschechien entstanden ist. Die Unternehmen der Automobilindustrie und ihre Beschäftigten organisieren Geld- und humanitäre Spendensammlungen, organisieren Fahrten für Bürger der Ukraine, die vor dem Krieg fliehen, oder stellen ihnen Unterkünfte zur Verfügung. Für Unternehmen, die Ukrainer beschäftigen, ist es eine absolute Selbstverständlichkeit, ihnen selbst und ihren Familien zu helfen“, sagt Zdeněk Petzl, Geschäftsführer des Sdružení automobilového průmyslu.
„Wenn wir von der unermesslichen menschlichen Tragödie absehen, die sich unweit von uns abspielt, und uns auf die Auswirkungen auf die Industrie konzentrieren, ist völlig klar, dass uns nach zwei Corona-Jahren erneut eine sehr schwierige Zeit bevorsteht. Obwohl der Konflikt geschäftlich unmittelbar rund die Hälfte der Unternehmen der Branche betrifft, beeinträchtigen Lieferausfälle und Preissteigerungen mittelbar erneut die Produktionsketten in Tschechien und in der gesamten EU.
Aufgrund des Konflikts kommt es zu Störungen bei der Lieferung von Rohstoffen und Materialien, die für die Herstellung von Stahl, Aluminium, Batterien, aber auch Halbleiterchips benötigt werden. Es fehlen jedoch auch bestimmte Zulieferteile – beispielsweise infolge der Produktionsunterbrechung bei bedeutenden ukrainischen Zulieferern von Kabelbäumen. All dies führt bei einer Reihe von Endherstellern zu einer Verlangsamung oder sogar Unterbrechung der Produktion, was wiederum einen enormen Druck auf die gesamte Lieferkette ausübt“, fasst Zdeněk Petzl die derzeitige schwierige Lage zusammen.
Aus der Umfrage geht hervor, dass fast drei Viertel der Befragten ukrainische Staatsbürger beschäftigen. Ihr Anteil an der Gesamtbeschäftigung in diesen Unternehmen beträgt ca. 6 %. Mehr als die Hälfte der Unternehmen verzeichnete zudem die Rückkehr einiger ihrer Beschäftigten in die Ukraine aufgrund der Wehrpflicht oder aus Sorge um ihre Angehörigen. In der überwiegenden Mehrheit der Fälle handelt es sich jedoch nur um eine geringe Zahl von Personen. Die Beschäftigten unternehmen hingegen mit Unterstützung der Unternehmen erhebliche Anstrengungen, um ihre Familienangehörigen nach Tschechien oder in andere sichere Länder der Europäischen Union zu bringen. Unternehmen und ihre Beschäftigten organisieren Geld- und Sachspendensammlungen, stellen den Ankommenden Unterkünfte zur Verfügung, organisieren Transporte von den Grenzen zur Ukraine und bieten zugleich denjenigen Arbeit an, die daran Interesse zeigen.
Wie schnell sich die Folgen des Konflikts auf den Markt auswirken, zeigt auch die Tatsache, dass bereits innerhalb nur einer Woche nach Kriegsausbruch fast die Hälfte der Unternehmen einen Anstieg der Preise für Ausgangsmaterialien oder Teile verzeichnete. Die gegen Russland und Belarus verhängten Sanktionen betreffen zum jetzigen Zeitpunkt unmittelbar oder mittelbar ca. ein Viertel der Unternehmen. Generell lässt sich sagen, dass die Lage derzeit sehr unsicher ist und mehr als die Hälfte der Unternehmen (62 %) sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht zutraut, die weiteren wirtschaftlichen Auswirkungen im laufenden Jahr vorherzusagen. 21 % der Unternehmen erwarten in diesem Jahr einen Auftragsrückgang, während die übrigen 18 % für dieses Jahr ein Wachstum prognostizieren.
Erhebliche Unsicherheit herrscht auch hinsichtlich der Automobilproduktion in Tschechien. „Während wir zu Jahresbeginn mit Optimismus zumindest eine Annäherung an das Vorkrisenniveau erwartet haben, wird die Produktion eher der Entwicklung der vergangenen beiden Jahre folgen. Nach dem derzeitigen Kenntnisstand wäre es als Erfolg zu werten, wenn die Marke von 1,1 Millionen Neufahrzeugen überschritten werden könnte“, schätzt Zdeněk Petzl.
„Für die Industrie ist und bleibt die Lage somit sehr schwierig. Um die Krise zu bewältigen, müssen wir uns in Zusammenarbeit mit der Regierung auf mehrere vorrangige Bereiche konzentrieren. Dazu gehört vor allem, möglichst schnell die Voraussetzungen für die Integration neu ankommender Flüchtlinge zu schaffen. Wir müssen ihren raschen Zugang zum Arbeitsmarkt ermöglichen, Kapazitäten für ihre Unterbringung sicherstellen, die Eingewöhnung der Kinder in Bildungseinrichtungen gewährleisten usw. Gleichzeitig müssen wir aber auch die bestehenden Bedingungen für die Beschäftigung von Personen aus Drittstaaten gesetzlich anpassen, insbesondere im Hinblick auf die Visabearbeitung und die Umverteilung der Kontingente für die einzelnen Länder. Notwendig ist auch eine systematische Diskussion über die Gewährleistung der langfristigen Sicherheit und Vorhersehbarkeit der Versorgung mit Rohstoffen und Energie einschließlich ihrer Preise“, ergänzt Zdeněk Petzl.
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