Tausende Hochschulabsolventen drängen auf den Arbeitsmarkt. Viele von ihnen „sichern“ sich Unternehmen jedoch schon vor dem Studienabschluss

Tausende Hochschulabsolventen drängen auf den Arbeitsmarkt. Viele von ihnen „sichern“ sich Unternehmen jedoch schon vor dem Studienabschluss
In den Sommermonaten herrscht auf dem Arbeitsmarkt reger Betrieb. Denn Tausende Hochschulabsolventen kommen hinzu und suchen einen Berufseinstieg. Ihre Anforderungen an den Arbeitgeber haben sich in den vergangenen Jahren jedoch verändert. Frischgebackene Absolventen verlangen beispielsweise häufig eine höhere Vergütung oder flexible Arbeitszeiten. Die Unternehmen wiederum versuchen, sie mit Zusatzleistungspaketen oder der Qualität des Arbeitsumfelds für sich zu gewinnen.

Die Gesamtarbeitslosigkeit in der Tschechischen Republik ist im Mai dieses Jahres erneut leicht gesunken. Aktuell liegt sie damit bei 3,2 Prozent, was im Vorjahresvergleich einem Rückgang um 0,7 Prozentpunkte entspricht. In unserem Land sind damit seit Langem die wenigsten Menschen in der gesamten Europäischen Union ohne Beschäftigung, was für viele Unternehmen aus personeller Sicht paradoxerweise ein Problem darstellt. Nach Angaben des Arbeitsamtes der Tschechischen Republik suchten die Unternehmen im Mai nämlich Arbeitskräfte für mehr als 330 tausend unbesetzte Stellen.

Am stärksten gefragt sind derzeit qualifizierte wie auch unqualifizierte Beschäftigte in technischen Branchen. Laut Klára Veverková Šťastná          vom Unternehmen Randstad, das auf dem Markt im Personalbereich tätig ist, gibt es derzeit praktisch keinen Produktionsbetrieb, der nicht mit Personalmangel zu kämpfen hätte. „Die Nachfrage nach neuen Beschäftigten in technischen Berufen ist nach wie vor groß, und wir rechnen keineswegs mit einem Rückgang. Es könnte eher zu einem Anstieg kommen. Wenn die Unternehmen jedoch sehen, dass sie eine offene Stelle monatelang nicht besetzen können, schreiben sie häufig gar keine weiteren Stellen mehr aus. Insbesondere Techniker und Ingenieure fehlen zu Tausenden“, beschreibt sie.

Die Nachfrage nach technisch ausgebildeten Beschäftigten bestätigt unter anderem das Brünner Unternehmen PKV Build. Es bietet Unternehmen Energieberatung im Hinblick auf Energieautarkie und Nachhaltigkeit. Zu den Ergebnissen gehören beispielsweise eine Verringerung des CO₂-Fußabdrucks sowie Energieeinsparungen in Millionenhöhe. „Für unser Team suchen wir derzeit neue Kollegen, etwa für die Positionen eines Projektmanagers im Energiebereich, eines Förderspezialisten oder eines Photovoltaikplaners. Dabei handelt es sich um spezialisierte Arbeitsplätze, für die ein Hochschulstudium oft weder eine theoretische noch eine praktische Grundlage bietet. Neue Beschäftigte müssen wir deshalb in die jeweilige Thematik gründlich einarbeiten. Sie sammeln hochgeschätzte Praxiserfahrung im Nachhaltigkeitsmanagement, das ein gefragtes Fachgebiet für die ökologische und wirtschaftliche Zukunft darstellt“, erklärt Jiří Pech, Geschäftsführer von PKV Build.

Hochschulstudierende sind oft schon vor dem Studienabschluss „vergeben“

Bei der sommerlichen Personalgewinnung interessieren sich Unternehmen häufig intensiv für frischgebackene Hochschulabsolventen. „Arbeitgeber ‚sichern‘ sich Hochschulstudierende sogar sehr häufig schon im letzten Studienjahr, insbesondere wenn diese bereit sind, für eine Stelle umzuziehen“, ergänzt Veverková Šťastná. Nicht anders ist die Situation in der Südmährischen Region, wo nach Angaben von Vertretern der beiden größten örtlichen Universitäten die meisten Absolventen mit der Stellensuche keine Probleme haben. „Die Absolventen der Masaryk-Universität finden seit Langem relativ leicht eine Beschäftigung auf dem Arbeitsmarkt“, sagt Ondřej Hofírek, Analyst der Strategieabteilung der MU, und fügt hinzu: „Aus der langfristigen Befragung frischgebackener Absolventen der MU geht hervor, dass es für mehr als 80 Prozent von ihnen in den letzten sechs Jahren sehr oder eher einfach war, eine Arbeit zu finden. Seit Langem finden Absolventen der Fakultät für Informatik und der Pädagogischen Fakultät am leichtesten eine Stelle. Die Befragungen zeigen auch, dass vier von zehn Absolventen bereits vor dem Abschluss ihres Studiums arbeiten, und zwar in der überwiegenden Mehrheit im studierten Fachgebiet. Sechs von zehn Absolventen der MU gaben an, während des Studiums Berufserfahrung gesammelt zu haben.“

Auch die Daten der nach Studierendenzahl zweitgrößten Brünner Universität – der Technischen Universität (VUT) – bestätigen, dass frischgebackene Absolventen derzeit nicht lange ohne Arbeit bleiben. Laut Befragungen der Einrichtung hatten in den vergangenen Jahren etwa 60 bis 70 Prozent der Studierenden bereits während des Studiums eine Stelle sicher. Mehr als 90 Prozent waren dann innerhalb von drei Monaten nach Studienende beschäftigt und innerhalb eines Jahres nahezu alle. „Traditionell finden Absolventen der Fakultäten für Maschinenbau, Elektrotechnik und Kommunikationstechnologien oder Informationstechnologien schnell Arbeit. In den letzten Jahren ist jedoch auch ein ausgesprochen großes Interesse an Absolventen der Fakultät für Bauingenieurwesen erkennbar, von denen nach der jüngsten Erhebung sogar 98 Prozent innerhalb von drei Monaten nach Studienende eine Stelle fanden“, erläutert Tereza Kadrnožková, Pressesprecherin der Technischen Universität in Brünn.

Unternehmen locken mit Zusatzleistungen und einem hochwertigen Arbeitsumfeld

Die Anforderungen der Unternehmen an frischgebackene Absolventen ändern sich laut Veverková Šťastná kaum. Besonderer Wert wird auf die Fähigkeit gelegt, theoretische Kenntnisse in der Praxis anzuwenden. Sehr wichtig sind auch gute Fremdsprachenkenntnisse. Frischgebackene Hochschulabsolventen auf Stellensuche erhöhen dagegen ihre Gehaltsansprüche. „Ein gewisser Prozentsatz der Absolventen erwartet zudem eine geringere Arbeitsbelastung, als sie ihnen dann in der Realität begegnet, und ist von den Anforderungen der Arbeitgeber überrascht. Zu den attraktivsten Angeboten gehören solche, die verschiedene Erleichterungen bieten, beispielsweise mehr Urlaubstage, die Arbeit von zu Hause aus, Flexibilität und die Möglichkeit, die Arbeitszeit nach den eigenen Wünschen anzupassen“, erklärt die Personalexpertin.

Gerade mit dem Angebot vielfältiger Zusatzleistungen versuchen zahlreiche Unternehmen, im Wettbewerb um frischgebackene Hochschulabsolventen erfolgreich zu sein. „Wir versuchen, mit der Zeit zu gehen und unser Angebot an Zusatzleistungen laufend zu verändern und an die Erwartungen unserer derzeitigen und künftigen Kolleginnen und Kollegen anzupassen. Auch deshalb umfasst unser Paket heute bereits übliche Zusatzleistungen wie zusätzliche Urlaubstage, bezahlte Krankheitstage ohne Attest, klassische Essensgutscheine, Mitarbeiterrabatte oder die Möglichkeit, vollständig oder teilweise von zu Hause aus zu arbeiten“, beschreibt Jiří Havel, Personalmanager bei Notino.

Das Brünner Unternehmen PKV Build wiederum lockt neue Beschäftigte mit einem außergewöhnlichen Arbeitsumfeld. Seine Räumlichkeiten im modernen Büropark Vlněná mit Panoramablick auf die südmährische Metropole erhielten im Jahr 2020 die Auszeichnung Büro des Jahres. „Wir sind ein etabliertes Unternehmen, das von einem jungen Team dynamischer und ambitionierter Menschen vorangetrieben wird. Wir vertreten eine pragmatische Sicht auf eine nachhaltige Zukunft, die durch wirtschaftlichen Nutzen gestützt werden muss. Deshalb suchen wir dieselben Werte auch bei allen Bewerbern für neue Stellen. Aus diesen Gründen ist uns unter anderem unser Image wichtig. Sei es im Rahmen ungewöhnlicher Teambuilding-Aktivitäten oder etwa eines regelmäßigen Biertags direkt in den Büros. Darüber hinaus machen wir keine Unterschiede zwischen Neueinsteigern und dem Geschäftsführer des Unternehmens – beide arbeiten mit den gleichen Geräten und sitzen auf einem ebenso bequemen Stuhl“, erklärt Jiří Pech abschließend.

Autor: Red.
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