Solide Ergebnisse der tschechischen Automobilindustrie trotz Produktionsrückgang

Solide Ergebnisse der tschechischen Automobilindustrie trotz Produktionsrückgang
Auch im Jahr 2021 beeinträchtigte die Pandemie die Leistungsfähigkeit der Automobilindustrie. Ihre Folgen machten sich in der Branche vor allem in der zweiten Jahreshälfte bemerkbar. Der kritische Mangel an Halbleiterchips, Probleme in den Liefer- und Abnehmerketten sowie in der Logistik und der Rohstoffmangel einschließlich steigender Rohstoffpreise führten gemeinsam zu erheblichen Produktionsstörungen bei den meisten europäischen Automobilherstellern.

Trotz eines weiteren Rückgangs der Fahrzeugproduktion in der Tschechischen Republik gelang es den Unternehmen, den Gesamtumsatz und die Exporte gegenüber dem Vorjahr zu steigern und zugleich die Beschäftigung sowie das Lohnwachstum aufrechtzuerhalten.

„Die Automobilindustrie hat bereits im dritten Jahr mit einer Kombination vieler negativer Faktoren zu kämpfen. Auch wenn uns das Jahr 2021 wohl als Jahr der Chipkrise in Erinnerung bleiben wird, hatten nicht nur die Abnehmer von Halbleitern mit Problemen zu kämpfen. Lieferketten und Logistik funktionieren noch immer bei Weitem nicht so, wie wir es früher gewohnt waren.

Die Lieferzeiten für Teile und Rohstoffe haben sich erheblich verlängert, und infolgedessen kam es zu einem deutlichen Anstieg der Beschaffungspreise. Die Produktion schwankte weltweit – während beispielsweise in Asien die Automobilproduktion um knapp sieben Prozent zunahm, hinkte die europäische Automobilindustrie mit einem weiteren Produktionsrückgang von fast sechs Prozent hinterher“, beschreibt Martin Jahn, Präsident des Verbands der Automobilindustrie, die Situation im vergangenen Jahr. „Andererseits muss jedoch die Leistungsfähigkeit der heimischen Unternehmen hervorgehoben werden. Trotz aller negativen Faktoren gelang es den in AutoSAP zusammengeschlossenen Unternehmen, ihren Gesamtumsatz zu steigern. Dieser überschritt erst zum dritten Mal in der Geschichte die Marke von 1,1 Billionen Kronen, was vor allem von einer weiteren Verlagerung hin zu einer Produktion mit höherer Wertschöpfung zeugt“, ergänzt Martin Jahn. 

Der Mangel an Halbleiterchips machte sich im Welthandel Anfang des vergangenen Jahres erstmals bemerkbar, voll zum Tragen kam er jedoch vor allem im dritten und vierten Quartal, als die Fahrzeugproduktion in Tschechien weit unter ihrem üblichen Niveau lag. Die Situation auf dem Chipmarkt wirkte sich auch auf die Produktion im laufenden Jahr aus. „Erst der Mai, in dem die Automobilproduktion das ‚Vorkrisenniveau‘ von 120 Tausend Neuwagen erreichte, brachte zumindest etwas Optimismus in die Produktion in Tschechien. Die Nachfrage nach Neuwagen ist weiterhin hoch, die Situation in der Produktion bleibt jedoch sehr schwierig. Bei Prognosen sind wir daher vorsichtig, die Liefer- und Abnehmerketten sind aufgrund der COVID-Pandemie, der Probleme in der Logistik und der geopolitischen Lage weiterhin sehr instabil, und die weitere Entwicklung ist daher nur schwer vorhersehbar“, sagt Martin Jahn.

Positiv ist, dass sich das vergangene Jahr nicht negativ auf die Beschäftigtenzahl ausgewirkt hat, die in den AutoSAP-Unternehmen sogar leicht gestiegen ist. Auch der Durchschnittslohn in der Branche stieg auf mehr als 46 Tausend Kronen. „Beschäftigung, überdurchschnittliche Löhne und Steuerabgaben wirken sich nicht nur auf die Entwicklung praktisch aller Regionen Tschechiens positiv aus, sondern auch auf den Staatshaushalt, zu dem die Branche jährlich schätzungsweise rund 70 Milliarden Kronen an direkten Steuern und Pflichtabgaben beiträgt. Darüber hinaus ist die Automobilindustrie führend im Bereich Wissenschaft, Forschung und Innovation in der tschechischen Industrie, sowohl hinsichtlich des wachsenden Anteils der Beschäftigten in Forschung und Entwicklung in den Unternehmen als auch hinsichtlich der Gesamtinvestitionen, die fast ein Drittel aller industriellen Investitionen in F&E in unserem Land ausmachen“, sagt Miroslav Dvořák, Vizepräsident des Verbands der Automobilindustrie und Vorstandsvorsitzender der MOTOR JIKOV Group.

Im Zusammenhang mit der aktuellen Entwicklung warnt er zugleich vor den Folgen der Energiekrise und deren Auswirkungen gerade auf das Innovationspotenzial der Unternehmen. „Wie die gesamte Wirtschaft sind auch die Unternehmen der Automobilindustrie vom dramatischen Preisanstieg bei Energie und anderen Produktionsfaktoren betroffen. Die Erzeugerpreise in der Industrie steigen in letzter Zeit im Vorjahresvergleich mit zweistelligen Raten. Die Kosten für Strom und Gas haben sich nicht nur bei uns im Unternehmen gegenüber dem Vorjahr auf das Fünf- bis Siebenfache erhöht. Dies schränkt die Hersteller leider in ihren Bemühungen ein, den Forderungen nach Lohnerhöhungen nachzukommen und Investitionsvorhaben fortzuführen, deren Einschränkung zu einem Verlust der Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen gegenüber denen aus Ländern führen wird, in denen die Energiepreise gedeckelt werden konnten. Staatliche Hilfe ist daher für viele Unternehmen wirklich entscheidend. Auch die Gewerkschaften tragen nicht zur Verbesserung der Situation bei, da sie in dieser schwierigen Zeit unrealistische Forderungen stellen; so verzetteln wir unsere Kräfte unnötig in langwierigen Verhandlungen“, ergänzt Miroslav Dvořák.

Eine nicht minder wichtige Aufgabe bereits für die derzeitige Regierung wird es auch sein, die tschechische Industrie durch einen historischen Wandel zu führen. Der Einzug sauberer Mobilität, der Druck zur Effizienzsteigerung und die damit verbundene stärkere Robotisierung, Automatisierung und Digitalisierung der Produktion sowie natürlich auch der anhaltende Druck zu einer umweltfreundlicheren Produktion stellen Unternehmen und Regierung vor eine ganze Reihe von Aufgaben.

„Obwohl klar ist, dass sich die Regierung in diesem Moment vor allem mit Aufgaben im Zusammenhang mit der Energiekrise befasst, müssen wir so bald wie möglich mit der Arbeit an der strategischen Ausrichtung der tschechischen Industrie beginnen. Dabei geht es nicht nur um die aktuelle Unterstützung der Unternehmen mithilfe verfügbarer nationaler und europäischer Mittel; auf längere Sicht müssen wir uns auf Veränderungen des Arbeitsmarktes und sich wandelnde Anforderungen an die Kompetenzen der Beschäftigten in der Automobilindustrie vorbereiten. Es gilt, gezielte Weiterbildungsprogramme zur Umschulung und Höherqualifizierung der Beschäftigten vorzubereiten und gleichzeitig auch das bestehende System der technischen Bildung mit einem stärkeren Fokus auf Elektronik, IT, Cybersicherheit und weitere geforderte Kompetenzen anzupassen“, betont Martin Jahn.

Mitgliedsunternehmen von AutoSAP im Jahr 2021

  • UMSATZ: 1 101,6 Milliarden CZK (+ 5,9 %)
  • EXPORT: 911,5 Milliarden CZK (+ 4,5 %)
  • BESCHÄFTIGTENZAHL: 139 228 (+ 0,8 %)
  • DURCHSCHNITTSLOHN: 46 292 CZK (+ 2,2 %)

Der Gesamtumsatz überschritt nach einjähriger Unterbrechung erneut die Marke von 1,1 Billionen Kronen und stieg gegenüber 2020 um 5,9 %. Auch das Exportvolumen erhöhte sich um 4,1 % auf insgesamt 911,5 Milliarden Kronen. Insgesamt macht der Export von Waren und Dienstleistungen einen Anteil von 84 % am Gesamtumsatz aus. Die wichtigsten Absatzmärkte für die heimischen Unternehmen sind die Mitgliedstaaten der Europäischen Union, wobei Deutschland eine dominierende Stellung einnimmt (Anteil von 29,6 %). Die Unternehmen des Verbands der Automobilindustrie hatten einen Anteil von fast 30 % an der Gesamtproduktion des heimischen verarbeitenden Gewerbes; der Anteil der AutoSAP-Mitglieder an den Gesamtexporten der Tschechischen Republik betrug im vergangenen Jahr 19 %.

Im vergangenen Jahr blieb die Beschäftigtenzahl praktisch unverändert. Den Unternehmen gelang es, Schlüsselkräfte zu halten und ihre Gesamtbeschäftigtenzahl sogar leicht auf 139 228 Personen (+0,8 %) zu erhöhen. Der Mangel an Beschäftigten, insbesondere an solchen mit höherer Qualifikation, bleibt weiterhin ein wichtiges Thema.

Auch die Lohnentwicklung entsprach der Marktentwicklung. Der Durchschnittslohn bei den Unternehmen des Verbands überschritt erstmals in der Geschichte die Marke von 46 Tausend Kronen und liegt damit um 22,3 % über dem Durchschnittslohn in der Tschechischen Republik. Den höchsten Durchschnittslohn verzeichnen die Endhersteller – mehr als 55 701 Tausend Kronen, gefolgt von den Zweckorganisationen mit einem Durchschnittslohn von mehr als 50 Tausend Kronen, aber auch die Lieferanten zahlen ihren Beschäftigten überdurchschnittliche Löhne von über 40 Tausend Kronen.

Die Mitglieder des Verbands der Automobilindustrie stellen 13 % der Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe der Tschechischen Republik und erwirtschaften zusammen 28 % des Umsatzes des verarbeitenden Gewerbes. Die gesamte Automobilindustrie beschäftigt in der Tschechischen Republik insgesamt direkt fast 180 Tausend Personen.

Fahrzeugproduktion im Jahr 2021
• UMSATZ: 632,4 Mrd. CZK (+ 4,2 %), davon EXPORT: 572,3 Mrd. CZK (+ 4,2 %)
• BESCHÄFTIGUNG: 48 247 Personen (+ 4,5 %)
• DURCHSCHNITTSLOHN: 55 701 CZK (- 2,5 %)
• PRODUKTION:
    o PERSONENKRAFTWAGEN: 1 105 223 Stück (- 4,1 %)
    o BUSSE: 4 947 Stück (- 2,4 %)
    o LASTKRAFTWAGEN: 1 262 Stück (+ 6,9 %)
    o MOTORRÄDER: 1 035 Stück (+ 87,2 %)
    o ANHÄNGER UND SATTELAUFLIEGER: 29 231 (+ 10,5 %)

Lieferanten im Jahr 2021
• UMSATZ: 447,1 Mrd. CZK (+ 7,8 %), davon EXPORT: 334,0 Mrd. CZK (+ 5,6 %)
• BESCHÄFTIGUNG: 81 211 Personen (- 1,3 %)
• DURCHSCHNITTSLOHN: 40 160 CZK (+ 4,8 %)

Zweckorganisationen im Jahr 2021
• UMSATZ: 22,2 Mrd. CZK (+ 19,0 %), davon EXPORT: 5,2 Mrd. CZK (- 19,0 %)
• BESCHÄFTIGUNG: 9 770 Personen (+1,2 %)
• DURCHSCHNITTSLOHN: 50 789 CZK (+6,0 %)

Autor: autoSAP
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