Preisberichte zu Kunststoffgranulaten: Verunsicherung auf dem Markt für Kunststoffgranulat infolge der ersten Phase des Krieges

Preisberichte zu Kunststoffgranulaten: Verunsicherung auf dem Markt für  Kunststoffgranulat infolge der ersten Phase des Krieges
Der Markt ist verunsichert. Der eskalierende russisch-ukrainische Krieg lenkt vom Geschäft ab. Eine beispiellose Situation – die Marktteilnehmer wissen nicht, wie sie reagieren sollen. Sowohl die west- als auch die mitteleuropäischen Polymerhersteller reagierten auf den deutlichen Anstieg der Monomerpreise im März mit unterschiedlich starken Preiserhöhungen.

Sie erhöhten ihre Preise um 50-135 €/t. Der serbische Hersteller von Polyethylen (PE), der seine Preise wöchentlich festlegt, bot seine Produkte hingegen noch zu Februarpreisen an. Die Kunststoffverarbeiter waren von der höher als erwartet ausgefallenen Preiserhöhung schockiert, sodass bislang nur wenige zu den neuen Preisen kauften. Am gefragtesten waren Produkte zu Februarpreisen. Diese Woche gab der russische Hersteller von Polyethylen (PE) seine Märzpreise für Polen und das Baltikum bekannt, die um 30-50 Euro über den Februarpreisen liegen. Allerdings waren Bestellungen aus Russland bereits im Februar von anhaltenden Lieferverzögerungen geprägt. Und nun stehen nicht nur Lieferverzögerungen, sondern auch eine Ausweitung der SWIFT-Sanktionen im Raum. Sogar politische Überlegungen zur Einführung eines Importverbots sind zu hören. Andere russische Hersteller versuchen, vor der Ausweitung der Sanktionen möglichst viele Chargen in die EU zu bringen, insbesondere um ihre vertraglichen Verpflichtungen zu erfüllen. Schon jetzt ist erkennbar, dass die Nachfrage nach russischen Polymeren teils aus moralischen Gründen und teils aufgrund der Unsicherheit zurückgegangen ist. In der Region NCE (nördliches Mitteleuropa), die das Baltikum und Polen umfasst, nimmt sie kontinuierlich weiter ab.

Die Türkei dürfte erneut einen erheblichen Einfluss auf den mitteleuropäischen Polymermarkt haben. Russische Polymerhersteller haben auf dem türkischen Markt für Polyethylen (PE) einen Marktanteil von 4,6% (103.927 Tonnen); bei Polypropylen (PP) lag dieser 2021 bei 7,3% (186.203 Tonnen). Diese durchschnittlich 24.000 Tonnen Polymer pro Monat werden in der Türkei fehlen, vorerst aus logistischen Gründen und später aufgrund der Ausweitung der Sanktionen. Aber auch die Logistik für Polymere aus Aserbaidschan und Zentralasien lässt sich nur schwer bewältigen. Daher wird mit dem Einsetzen eines ähnlichen Sogeffekts wie im November 2020 gerechnet; türkische Händler beginnen, günstige Bestände aufzukaufen, die in der Region SCE (südliches Mitteleuropa) verfügbar sind. Dies treibt die Marktpreise kontinuierlich nach oben. Dafür spricht auch, dass die türkischen Polymerpreise in der vergangenen Woche dreistellige Preissteigerungen verzeichneten, wobei die Importpreise sowohl für Ware aus dem Nahen Osten als auch aus Nordamerika stiegen und weitere Preiserhöhungen erwartet werden. Der lokale Hersteller versuchte, der Preiserhöhung zu folgen. Das Angebot in der SCE-Region wird nicht nur durch den türkischen Sogeffekt, sondern auch durch den Stillstand bei Rompetrol im März und die ab April beginnenden Wartungsarbeiten der MOL Group reduziert.

Das knappe Angebot wird sich in den kommenden Wochen auch im übrigen Mitteleuropa bemerkbar machen. Und das bedeutet einen deutlichen Preisanstieg. Der starke Anstieg der Öl- und NAPHTHA-Preise sowie die rekordverdächtige Abschwächung des Euro dürften durch eine weitere Bekanntgabe der Monomer-Kontraktpreise Mitte März noch verschärft werden.

Zusammenfassung

 

  • Schwache Nachfrage in der vergangenen Woche,
  • Die Polymerhersteller haben Mitte vergangener Woche ihre Preise erhöht, in der Regel um € 50-135 / t.
  • Einige Kunststoffverarbeiter kaufen aus Angst vor baldigen Preiserhöhungen und der erwarteten Angebotsverknappung auf Vorrat. Dabei versuchen sie in der Regel noch, zu Februarpreisen einzukaufen.
  • Die meisten Kunststoffverarbeiter warten vorerst ab, schockiert vom Krieg. Zunächst wird die Lage bewertet.
  • In Westeuropa, Polen und dem Baltikum werden aus ethischen Gründen immer weniger russische Polymere gekauft. Ein ähnliches Verhalten zeichnet sich inzwischen aber auch in Tschechien ab.
  • Vorerst sind russische Polymere noch verfügbar, die Lieferungen laufen, wenn auch stockend, und der Zahlungsverkehr funktioniert.
  • 7 russische Banken wurden vom SWIFT-System ausgeschlossen, und zwar: VTB, Bank Rossiya, Bank Otkritie, Novikombank, Promsvyazbank, Sovcombank, Vnyesekonombank. Die anderen russischen Banken sind bislang nicht von den Sanktionen betroffen.
  • Logistikprobleme bei Lieferungen aus Russland, erhebliche Störungen im Straßentransport, auch Februarlieferungen verzögern sich.
  • Es findet kein Handel mit Polymerwaren aus der Ukraine und in die Ukraine statt.
  • Auf dem türkischen Markt gibt es dreistellige Preiserhöhungen für Polymere aus dem Nahen Osten und nahezu dreistellige für nordamerikanische Polymere. Auch der Preis für in der Türkei hergestellte Polymere ist deutlich gestiegen.
  • Die Unsicherheit der Polymerhersteller zeigt sich deutlich daran, dass einige Hersteller nur Angebote mit Gültigkeit bis zum 7. März abgaben.

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Autor: László Bűdy
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