Polymerpreise – Szenarien zur Entwicklung der Polymerpreise zum Jahresende

In der vergangenen Woche waren die Polymermärkte in Mitteleuropa von einem begrenzten Angebot und einer schwachen Nachfrage geprägt. Sowohl die Verarbeiter als auch die Polymerhersteller sind sich unsicher, welche Einkaufs- und Verkaufsstrategie sie für die kommenden zwei Monate wählen sollen.

Die Hersteller von Polyolefinen und PVC stehen weiterhin unter anhaltendem Verkaufsdruck, während sich die Rohstoffpreise auf dem Niveau von April bis Mai bewegen. Erwartet wird ein weiterer Anstieg der Olefinpreise um 50 – 70 €/t und der Styrolmonomerpreise um 70 – 100 €/t. Es ist jedoch bei Weitem nicht sicher, ob sich diese Erhöhungen auch in den Polymerpreisen niederschlagen werden.

So lautete zumindest die Einschätzung sowohl der Kunststoffverarbeiter als auch der Polymerhersteller Mitte der vergangenen Woche. Die Situation ist komplex und schwer zu beurteilen. Betrachten wir sie genauer:

  • Der Preis für Brent-Rohöl näherte sich 120 USD je Barrel, während der Preis für sofort verfügbares Urals-Rohöl zu sinken begann, obwohl er weiterhin über 100 USD je Barrel liegt. Bislang gibt es keine grundlegenden Probleme, doch die Erwartungen hinsichtlich der Rohölpreise in Europa deuten auf einen Anstieg hin. Unterdessen prognostizieren führende Analysten des Ölmarktes bereits einen Preisrückgang Anfang 2027.

  • Weder im November noch im Dezember wird ein deutlicherer Rückgang der Naphthapreise (Naphtha als petrochemischer Rohstoff) erwartet. Dadurch werden auch die Monomerpreise auf einem hohen Niveau bleiben.

  • Die Importlieferungen sowohl aus Asien als auch aus Nordamerika gehen zurück, teilweise aufgrund der hohen Preise für Polyolefine und Polystyrol (PS) in Asien, die durch das begrenzte Angebot im Fernen Osten verursacht werden.

  • Auch einige bereits früher bestellte und bestätigte Importsendungen aus Asien verzögern sich erheblich. Es wird angenommen, dass dies teilweise mit dem System ICS2 (Import Control System 2) zusammenhängt, das in der zweiten Hälfte des Jahres 2026 vollständig eingeführt wurde.

  • Polymerhersteller in Zentralasien leiten ihre Lieferungen immer häufiger nach China und Korea um. Auch deshalb sind günstige PPH-Raffia- und HDPE-Typen vom Markt in Mitteleuropa verschwunden.

  • Die zunehmenden Drohnenangriffe im Schwarzmeerraum schränken die eingehenden Lieferungen ein. Die Versicherungsprämien haben sich verdreifacht. Bislang erreichen Lieferungen nicht-russischen Rohöls die Raffinerien in Năvodari und Burgas, doch die Transportprobleme wirken sich wahrscheinlich bereits auch auf die Lieferungen von Monomeren, Polymeren und fertigen Kunststoffprodukten aus.

  • Steigende Kraftstoffpreise erhöhen kontinuierlich die Kosten des Straßengüterverkehrs in Europa und verteuern dadurch die Lieferungen aus Westeuropa nach Mitteleuropa. Die Transportkosten für Sendungen aus Spanien nähern sich bereits 200 €/t.

  • Mehrere europäische Hersteller von Polyolefinen und Polystyrol (PS) haben die Auftragsannahme eingestellt.

  • Mit dem nahenden Jahresende bemühen sich die meisten Polymerhersteller, ihre Lagerbestände zu optimieren und auf das von ihren Eigentümern geforderte niedrige Niveau zu senken.

  • Die Verarbeiter bereiten sich bereits auf die Abschwächung der Nachfrage zum Jahresende vor. Nur wenige planen, sich im Voraus zu bevorraten, in der Hoffnung, dass einige Polymerhersteller ihre üblichen Jahresendaktionen mit niedrigen Preisen starten, um das erforderliche Absatzvolumen zu sichern.

Die wichtigsten möglichen Szenarien zur Entwicklung der Polymerpreise

Szenario 1: Preiserhöhung im November mit anschließender Stabilisierung

Eine den Veränderungen der Monomerpreise entsprechende Erhöhung der Polymerpreise Anfang November wird bei mäßiger Nachfrage akzeptiert. Die Verarbeiter werden weiterhin einkaufen und ihre Polymerbestände nicht sinken lassen, da sie eine eingeschränkte Verfügbarkeit befürchten.

Anfang Dezember werden sich die Polymerpreise bei schwacher Nachfrage stabilisieren. In der zweiten Dezemberhälfte werden einige Sondergeschäfte zwischen Polymerherstellern und Verarbeitern abgeschlossen, die große Mengen abnehmen.

Die Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios liegt je nach Polymertyp bei 30 – 35 %.

Szenario 2: Teilweise Preiserhöhung, anschließender Rückgang und sprunghafter Preisanstieg im Januar

Eine den Veränderungen der Monomerpreise entsprechende Erhöhung der Polymerpreise Anfang November wird nur teilweise akzeptiert. Die Verarbeiter werden jedoch nur kleine Mengen kaufen. Es wird Verkaufsdruck entstehen, und die Hersteller von Polyolefinen und PVC werden ihre Preiserhöhungen teilweise oder vollständig zurücknehmen.

Bis zum 10. November werden die Preise infolge des starken Verkaufsdrucks auf das Oktoberniveau zurückkehren. Im Dezember werden die Polymerpreise nicht weiter steigen. Angesichts der schwachen Nachfrage werden die Hersteller ab der zweiten Dezemberwoche beginnen, ihre Lager zu niedrigen Preisen zu räumen.

Anfang Januar werden die Polymerhersteller, Händler und Verarbeiter über niedrige Lagerbestände verfügen. Gleichzeitig wird das Angebot sowohl aus europäischen Quellen als auch aus Importen begrenzt sein. Die Preise könnten daher bereits Mitte Januar zu steigen beginnen, unabhängig von der Entwicklung der Rohstoff- und Monomerpreise. Dieser Anstieg könnte sprunghaft ausfallen.

Die Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios liegt je nach Polymertyp bei 65 – 70 %.

Fazit

Das erste Szenario wäre ideal, doch auf dem Markt wird es immer Polymerhersteller geben, die unter Verkaufsdruck stehen. In einer Phase, in der die Nachfrage langfristig unzureichend ist, wird ihre Preispolitik die Marktentwicklung bestimmen.

Diejenigen, die ihre Preiserhöhungen früher zurücknehmen, werden mehr verkaufen als diejenigen, die versuchen, die Preise zu halten. Das erste Novemberdrittel wird für die Höhe der Lagerbestände zum Jahresende entscheidend sein. Der Aufwärtsdruck auf die Polymerpreise könnte daher bereits gegen Ende der ersten Novemberwoche nachlassen.

Autor: myCEPPI
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