PLASTIKA a.s. Kroměříž aus Sicht des Geschäftsführers: Wir erwarten ein stabiles Jahr

PLASTIKA a.s. Kroměříž aus Sicht des Geschäftsführers: Wir erwarten ein stabiles Jahr
Plastika erwartet ein stabiles Jahr mit einem ordentlichen Produktionsvolumen und geringerem Druck bei der Einstellung neuer Mitarbeiter. Michal Nosek, Generaldirektor von Plastika Kroměříž, zieht nicht nur Bilanz des vergangenen Jahres und stellt die Pläne für dieses Jahr vor, sondern gewährt auch einen Blick hinter die Kulissen der tschechischen Wirtschaft.

Wie würden Sie das vergangene Jahr für Plastika bewerten?
Das vergangene Jahr war sowohl in Bezug auf die Produktion als auch auf neue Aufträge eindeutig ein Rekordjahr. Man kann sagen, dass sich auch die Lieferkette stabilisiert hat, die Probleme mit Chips und Ähnlichem sind vorbei. Andererseits wurde das vergangene Jahr durch die Planung Ende 2022 beeinflusst, als wir starke Produktionseinbrüche hatten und unsere Kunden mit großen Bestellungen rechneten, die dann nicht zustande kamen. Deshalb waren wir bei der Produktionsplanung für 2023 vorsichtig, richteten das Unternehmen auf geringere Umsätze aus und mussten dafür dann Lehrgeld zahlen. Unsere Kunden lagen im vergangenen Jahr 20 % über Plan, die Kapazitäten von Plastika waren voll ausgelastet und es fehlten Mitarbeiter. Kurzfristig passten wir dann den Schichtbetrieb an und führten neue Methoden der Produktionssteuerung und -planung ein. Es war ein schwieriges Jahr, aber es ging gut aus. 

Welcher Prozentsatz Ihrer Produktion entfällt auf Automobilhersteller?
Im vergangenen Jahr lagen wir im Automobilbereich leicht unter dem Trend der Jahre 2018 und 2019, deren Produktionsniveau wir wohl nicht mehr erreichen werden, dennoch macht die Automobilindustrie bei Plastika 95 % der Produktion aus. Man sieht, dass die Automobilhersteller wieder mit der Produktion begonnen und die ungedeckte Nachfrage der Vorjahre befriedigt haben. Beeinflusst wurde die Situation auch durch die Produktionsanläufe von Elektroautos, die sich dieses Jahr allerdings verlangsamen. Jetzt laufen wieder mehr Octavia vom Band, der Markt hat sich stabilisiert.
Das vergangene Jahr war auch im Hinblick auf neue Aufträge gut, die Akquisition ging weiter, jedes Jahr erneuern wir rund ein Fünftel unseres Portfolios. Darüber hinaus haben wir im vergangenen Jahr noch einen bedeutenden Auftrag für Škoda Auto gewonnen: Teile für ein neues siebensitziges Fahrzeug.

Und was ist mit der übrigen Produktion?
Im vergangenen Jahr lagen wir im Automobilbereich leicht unter dem Trend der Jahre 2018 und 2019, deren Produktionsniveau wir wohl nicht mehr erreichen werden, dennoch macht die Automobilindustrie bei Plastika 95 % der Produktion aus. Man sieht, dass die Automobilhersteller wieder mit der Produktion begonnen und die ungedeckte Nachfrage der Vorjahre befriedigt haben. Beeinflusst wurde die Situation auch durch die Produktionsanläufe von Elektroautos, die sich dieses Jahr allerdings verlangsamen. Jetzt laufen wieder mehr Octavia vom Band, der Markt hat sich stabilisiert.
Das vergangene Jahr war auch im Hinblick auf neue Aufträge gut, die Akquisition ging weiter, jedes Jahr erneuern wir rund ein Fünftel unseres Portfolios. Darüber hinaus haben wir im vergangenen Jahr noch einen bedeutenden Auftrag für Škoda Auto gewonnen: Teile für ein neues siebensitziges Fahrzeug.

Generaldirektor von Plastika Kroměříž Michal Nosek.  
   

Wie ist Plastika personell aufgestellt?
Auch unsere Mitarbeiterzahl ist gestiegen, was auf das höhere Produktionsvolumen zurückzuführen ist. Insgesamt sind wir 600, darunter 150 Zeitarbeitskräfte. Unter den Zeitarbeitskräften sind auch 30 Ukrainerinnen, die ich aber nicht mehr als Ausländerinnen betrachte; die meisten sind wegen des Krieges hier.

Wie ist die Zusammenarbeit mit den Ukrainerinnen?
Ich muss zugeben, dass uns die Ukrainerinnen in der Zeit, als wir Personal suchten, eigentlich gerettet haben. Außerdem sind sie sehr arbeitsam, zuverlässig, fleißig und bemühen sich, die Sprache zu lernen. In der Produktion haben wir gebildete Ukrainerinnen, zum Teil sogar mit zwei Hochschulabschlüssen, zu denen ich sage: „Warum stehen Sie an der Maschine? Sie sollten hier als Managerin arbeiten.“ Und dann antwortet sie mir: „… aber ich kann doch kein Tschechisch.“ Ich verstehe das, sie sind mit ihren Kindern hier, gehen zur Arbeit, leben in provisorischen Unterkünften, da ist es zeitlich und organisatorisch wohl kaum möglich, Tschechisch zu pauken. Deshalb stoßen die meisten von ihnen auf die Sprachbarriere.

Könnten Sie auch einen negativen Aspekt der Ergebnisse des vergangenen Jahres nennen?
Da wir ein ausgesprochenes Exportunternehmen sind, machte uns die ČNB zu schaffen, indem sie die Krone unnötig stark hielt. Es stimmt, dass Miroslav Singer wiederum früher den Euro bei 27 CZK hielt, was zwar eine bequeme Sicherheit war, die Exportunternehmen aber nicht zu Innovationen motivierte. Wenn jedoch an der Spitze der ČNB ein Mann von Babiš sitzt, der den Wechselkurs der Krone für ihn gestaltet und nicht danach, was die tschechische Wirtschaft braucht, dann ist das schwierig.

Versuchen Sie, uns das für Laien zu erklären…
Plastika ist im Grunde ein Exportunternehmen, wir kalkulieren und verkaufen alle unsere Produkte an ausländische wie auch tschechische Kunden in Euro. Wenn die Krone aufwertet, verlieren Exportunternehmen bei jedem Euro Umsatz Beträge in der Größenordnung von Kronen. Bei einem Umsatz von Plastika von rund 30 Millionen Euro bedeutet eine Abschwächung des Euro um eine Krone einen Umsatzrückgang von 30 Millionen CZK. Demgegenüber haben wir nach wie vor ein Drittel unserer Ausgaben in Kronen und werden dies auch weiterhin haben, beispielsweise die Löhne, aber diese sinken nicht, sondern steigen eher. Wirtschaftliche Stabilität zu erreichen, ist dann also nicht einfach. An der Krone sollte man nicht herumzaubern, der Wechselkurs sollte eine selbstregulierende Rolle haben, ein flexibler Marktwechselkurs kann kurzfristige Inflationsschocks ausgleichen. Das ist eine gute Funktion einer lokalen Währung, und die beeinträchtigt die ČNB, wenn sie zugunsten einer Aufwertung der Krone interveniert.

Plastika würde von der Umstellung auf den Euro profitieren, aber was ist mit uns anderen? Würde uns das beeinflussen?
Ich bin kein völlig vorbehaltloser Befürworter der Umstellung auf den Euro, aber beispielsweise am jüngsten Beispiel Kroatiens lässt sich sagen, dass dort bei der Umstellung auf den Euro nichts Dramatisches passiert ist. Ein halbes Jahr lang wurden dort die Preise in Euro und Kuna ausgezeichnet, die Preise blieben gleich, und heute zahlen die Kroaten mit dem Euro und es ist ihnen egal. Genauso verlief es de facto in der Slowakei. Bei der Umstellung auf den Euro handelt es sich nicht um eine Währungsreform kommunistischer Art, bei der Ihnen der Staat einfach das Geld wegnimmt. Und außerdem: Wenn die ČNB zugunsten einer stärkeren Krone interveniert, werden Benzin und Elektronik für „uns andere“ vielleicht für eine Weile billiger, aber dadurch nimmt sie Exportunternehmen Geld weg, die vielen Menschen Arbeit und Lohn geben. Für einen Staatsbediensteten, der unter das Beamtengesetz fällt, mag das prima sein, aber nicht mehr so sehr für den Mitarbeiter eines Unternehmens, der auch von dessen Ergebnis und Zukunft abhängig ist.

Warum sollte Tschechien eigentlich den Euro einführen?
Wir sind ein rein exportorientierter Staat und vollständig an die Eurozone gebunden. Die Einführung des Euro ist eine wirtschaftliche und politische Entscheidung. Damit würden wir zum Ausdruck bringen, dass wir mit den Staaten verbunden sein wollen, die uns strategisch am nächsten stehen. Auch wenn wir es nicht gern hören, sind wir letztlich eigentlich eine deutsche Wirtschaftskolonie. Neulich habe ich überspitzt gesagt, dass wir eigentlich Deutsche für die Regierung engagieren könnten. Sie führen den Staat besser als wir, sie können besser regieren als Leute wie Paroubek, Špidla oder Babiš. Wir sind eng miteinander verflochten. An einer lokalen Währung festzuhalten und gleichzeitig den Wechselkurs zu manipulieren, wie es die ČNB tut, ist kurzsichtig.

Wie beeinflusst die staatliche Politik die Privatwirtschaft?
Regierungen können das makroökonomische Umfeld beeinflussen, aber nicht sehr stark. Sie können die Rahmenbedingungen für Unternehmen durch Subventionen und Steuergesetze beeinflussen, aber das sind keine entscheidenden Eingriffe. Änderungen bei der Festlegung des Mindestlohns oder des garantierten Lohns sind etwas anderes, sie beeinflussen die unternehmerische Tätigkeit erheblich. Wir können auch die Karenzzeit im Krankheitsfall erwähnen (der Arbeitgeber zahlt die ersten 14 Krankheitstage seines Arbeitnehmers, Anm. d. Red.). Das war ein erheblicher Eingriff in die wirtschaftliche Situation der Unternehmen, auch bei uns, da wir einen hohen Krankenstand haben. Nach Corona können wir wiederum die Art und Weise kritisieren, wie die Regierung das Geld verschleudert hat. Kritisieren können wir auch das gesunkene Bildungsniveau oder die von der Regierung festgelegten Energiepreisobergrenzen. Aber das sind sprunghafte Schwankungen, mit denen die Privatwirtschaft umgehen kann. Im Grunde habe ich der derzeitigen Regierung aber nichts vorzuwerfen. Im Gegenteil: Nach langer Zeit bin ich wieder stolz auf unsere Außenpolitik. Innenpolitisch würde ich mir Reformen im Bildungs-, Renten- und Gesundheitswesen wünschen. Aber wer dafür den Mut aufbringt, weiß ich nicht…

Und was sagen Sie zu unseren slowakischen Brüdern und ihrer neuen Staatsführung?
Das ist eine Katastrophe! Andererseits ist es nichts Neues, wir haben das schon mit Mečiar erlebt. Die Slowaken haben eine andere Mentalität, sind emotional anders eingestellt, fühlen sich dem Westen nicht besonders verbunden und tendieren eher zu Österreich-Ungarn. Ich verstehe das nicht. Dabei sind sie genauso mit der europäischen Wirtschaft verflochten wie wir. Meiner Meinung nach sind die aktuellen Entwicklungen das Produkt einer kleinen Gruppe von Politikern, die ihre eigenen Ziele verfolgen. In der Slowakei funktioniert Populismus einfach, und er gewinnt.

Befürchten Sie die weitere Entwicklung in der Slowakei?
Ich bin deswegen nicht beunruhigt, innerhalb der EU sieht man das auch an Ungarn. Zum Glück funktionieren gewisse Korrekturmechanismen, die verhindern, dass Populisten ins Extrem gehen. Die Frage ist, ob sich das nicht innerhalb von etwa fünf Jahren wieder umkehrt, so wie in Polen. Manchmal neigen die Wähler dazu, die Dinge zu durchschauen. Die Länder der Eurozone können sich nicht völlig von demokratischen Wahlen und dem grundlegenden repräsentativen Mechanismus verabschieden. Und wenn doch, werden sie das wirtschaftlich und politisch zu spüren bekommen, was zu Druck aus der Bevölkerung führen wird. Wir können uns nur bemühen, niemanden wie Robert Fico zu wählen.

Und wie sehen Sie die Geschehnisse in der Ukraine?
Das ist eine Bedrohung, die wir selbst geschaffen haben. Wir haben uns vom „Russen“ einlullen lassen. Er hat die gesamte deutsche, unsere und eigentlich auch die gesamte europäische Wirtschaft durchdrungen. Wir haben uns mit billigem Gas bestechen lassen, und jetzt zahlen wir dafür. Putin hat gezeigt, wie er ist. Zu Beginn des Krieges hatte ich das Gefühl, dass er mit einer Verschiebung der Grenzen bis zum Dnjepr enden würde. Dann habe ich darauf gehofft, dass die Ukraine sogar gewinnen könnte. Aber es hat sich gezeigt, dass Europa langsam und auf Hilfe aus Amerika angewiesen ist, deshalb habe ich jetzt gemischte Gefühle. Vielleicht läuft es auf ein Szenario wie in Nord- und Südkorea hinaus, auf einen nie geschlossenen Waffenstillstand. Trotzdem müssen wir den Kampf der Ukrainer unterstützen, damit Russlands Expansionsdrang nicht weitergeht.

Und verstehen Sie, warum es in Tschechien so viele Menschen gibt, die Russland die Daumen drücken?
Ich verstehe es nicht, aber vermutlich ist es nicht so einfach. Ich habe die Erklärung eines Psychologen gehört, der sagte, dass es bei uns einen Teil der Bevölkerung gibt, der die Unsicherheiten, die mit einer liberalen Haltung des Staates und der Übernahme von Eigenverantwortung verbunden sind, als unangenehm empfindet. Vielleicht glauben diese Menschen, dass weniger liberale (autokratische) Regime mehr Sicherheit bieten. Wenn man in den 70er-Jahren eine Arbeit hatte, wusste man, dass man sie bis zur Rente behalten würde. Man fuhr ins Wochenendhaus, wollte nicht in den Westen, brauchte keine verbotenen Bücher zum Leben, bekam außerdem Kindergeld oder einen Kredit für Jungvermählte und hatte vor dem Haus einen Škoda stehen. Manchen reichte das einfach. Ein Teil der Menschen ist bereit, Freiheit gegen Bequemlichkeit und Sicherheit einzutauschen. Bei anderen wiederum spielt das Bedürfnis eine Rolle, einer ausgeprägteren sozialen Gruppe anzugehören. Und diese lässt sich über einen gemeinsamen Feind gut abgrenzen und zum Ausdruck bringen – etwa die Regierung, die Amerikaner, Migranten, Brüssel, die Prager Kaffeehausintellektuellen…, suchen Sie sich etwas aus… Feinde lassen sich einfach viele finden, und bei manchen verfängt das, auch wenn sie ihnen im Leben nie begegnet sind. Man hat einfach etwas, worüber man schimpfen kann.

Kommen wir zurück zu Plastika. Welche Entwicklung erwarten Sie in diesem Jahr?
Wenn ich nach den Plänen gehe, wird das Jahr 2024 eine exakte Kopie des vergangenen Jahres sein. Wir erwarten ein stabiles Jahr mit einem ordentlichen Produktionsvolumen und geringerem Druck bei der Einstellung neuer Mitarbeiter. Der Druck zur Digitalisierung und Automatisierung der Produktion wird anhalten. Unter diesem Gesichtspunkt ist unsere Produktion anspruchsvoll, deshalb planen wir den Bau einer neuen Halle.

Wo soll sie stehen?
Die neue, moderne Produktion können wir nicht in den bestehenden Räumlichkeiten unterbringen. Die Gebäude von Plastika wurden in den 70er-Jahren errichtet und entsprachen den damaligen Gegebenheiten. Im hinteren Teil des Betriebsgeländes haben wir ein freies Grundstück. Dort wollen wir eine modern konzipierte Halle mit einer Spritzgießlinie und einer Lackiererei errichten. Wenn wir einen neuen, sauberen, automatisierten Bereich wollen, brauchen wir ein neues Gebäude. Es handelt sich um eine große Investition, deshalb wägen wir derzeit noch alles ab.

Autor: PLASTIKA a.s.
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