Entlassungen gehen weiter: Die Beschäftigtenzahl im Maschinenbau in Deutschland ist im ersten Halbjahr leicht gesunken, berichtet der VDMA
„Unsere Branche steht unter erheblichem Druck. Insbesondere das hohe Maß an globaler Unsicherheit und die damit verbundene Investitionszurückhaltung sowie strukturelle Veränderungen und der globale Wettbewerbsdruck stellen die Unternehmen vor immer größere Herausforderungen. Dass viele von ihnen trotz allem an ihren Stammbelegschaften festhalten, ist Ausdruck ihrer langfristigen Planung und Verantwortung“, erklärt Dr. Johannes Gernandt, Chefvolkswirt des VDMA.
Fachkräftemangel bleibt ein zentrales Problem
Trotz der angespannten Lage auf dem Arbeitsmarkt bleibt der Fachkräftemangel eine strukturelle Herausforderung. Laut ifo Institut meldet nach wie vor fast jedes vierte Unternehmen (23 Prozent) im Maschinen- und Anlagenbau Produktionsengpässe aufgrund von Personalmangel.
Mehr als ein Viertel der Beschäftigten in dieser Branche wird innerhalb der nächsten zehn Jahre das Rentenalter erreichen. Der Fachkräftemangel wird somit ein langfristiges Problem bleiben. „Die Politik muss darauf endlich reagieren: Anreize für einen vorzeitigen Renteneintritt müssen abgeschafft und das Renteneintrittsalter muss schrittweise angehoben werden“, fordert Fabian Seus, Leiter des VDMA-Kompetenzzentrums Arbeitsmarkt. „Auch die Frage der Fachkräfteeinwanderung dürfen wir nicht vergessen. Vor allem brauchen wir schnellere Verfahren zur Anerkennung von Qualifikationen, und das Verbot der Beschäftigung über Zeitarbeitsfirmen muss aufgehoben werden“, ergänzt Seus.
Strukturelle Veränderungen mutig bewältigen
Unternehmen müssen die Chancen der Digitalisierung und der künstlichen Intelligenz noch intensiver nutzen. Neue Chancen eröffnen sich auch auf neuen Absatzmärkten wie den ASEAN-Ländern, Afrika und Lateinamerika. Gerade hier ist mehr unternehmerischer Mut zur Entwicklung neuer Geschäftsmodelle gefragt. „Dafür brauchen wir einen Politikwechsel, der Planungssicherheit schafft und wirtschaftliche Dynamik ermöglicht. Wer die Position Deutschlands als Industriestandort sichern will, muss die Stagnation beenden“, fordert Dr. Gernandt.
Arbeitsmarktreformen sind unerlässlich
Die Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt spielen auch für die künftige Beschäftigungsentwicklung eine entscheidende Rolle. Niedrigere Arbeitskosten sind unerlässlich, damit kleine und mittlere Industrieunternehmen wettbewerbsfähig bleiben. „Die dringendste politische Aufgabe ist die Senkung der Sozialversicherungsbeiträge. Wir brauchen ein wettbewerbsfähiges Niveau von maximal 40 Prozent, um die Beschäftigung zu fördern. Jeder Prozentpunkt über dieser Grenze macht den Standort weniger attraktiv und gefährdet Arbeitsplätze“, warnt Seus. „Das können wir nur durch Reformen in allen Sozialversicherungssystemen erreichen. Die Digitalisierung kann uns dabei sicherlich helfen, aber auch die gewährten Leistungen müssen grundlegend überdacht werden“, betont der VDMA-Arbeitsmarktexperte.
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